Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999130
Küssen. 
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stehende oder einem höheren Stande angehörige Personen 1); der Gast 
küsste auch nur die Dame vom Hause und die ihm ebenbürtigen Ge- 
sellschafterinnen, vielleicht noch verheirathete Frauen, die dem Hause 
mit angehörten 2). In Deutschland scheint man sich mit dem Kusse 
auf den Mund, die Wangen oder Augen begnügt zu haben 3); die Fran- 
zosen aber küssten noch Nase, Kinn- und Hals 4). 
Nach der Begrüssung kleiden sich die Gäste zunächst um; die 
Reisekleider werden abgelegt, Staub und Schmutz abgewaschen, und 
dann zieht man die mitgebrachten schönen und sauberen Kleider an 5). 
Wer nicht einen Anzug zum Wechseln mit sich führte, der erhielt ihn 
vom Wirthe geliehen. S0 führt die Königin Ginover die schöne Enite 
sofort in ihr eigenes Boudoir (heimliche), lässt ihr ein Bad bereiten und 
giebt ihr vom Hemd bis auf den Mantel einen kostbaren Anzug Ü). 
Auch für die Ritter wurde so gesorgt, die oft auf ihren Abenteuer- 
zügen in einem Schlosse Gastfreundschaft verlangten, aber ausser ihrer 
Rüstung keinen Anzug mit sich führten. Sie erhielten bequeme Kleider 
geborgt, die sie beiuihrer Abreise dem Kämmerer oder der Kammer- 
frau wieder abgaben. Auch anderen Durchreiscnden wurden solche 
Gefälligkeiten erwiesen; jeder erhielt einen Anzug, wie er seinem Stande 
angemessen war 7). 
1) Nib. Z. p. 45, 3: Ir (Kriemhilt) wart erloubet küssen den waetlichen man 
(Sivrit); p. 252, G: (Rüedegär sagt seiner Frau) „die sehse (d. h. die drei Könige, 
Hagen, DiLIlkWFLTt und Volker) sult ir küssen und diu tohter min."  Rüedeger 
mstruirt auch die Kriemhilt, wen sie von Etzels Begleitern küssen soll (Nib. Z. 
p. 206, 1): Swen ich iuch räite küssen, däz sol sin getän: Jane mugt ir niht ge- 
liehe grüezen alle's küneges man.  Wigal. p. 245, 25: Frowe Larie kuste dö Die 
geste, als si der künie bat. 
2) Lanz. 615: Die vrouwen nluost er küssen gar In der bezzeren schzur Und 
die in risen wären.  Meler. 7578: Er wart vil wol enpfämngen. Diu künegin im 
engegen giene, Den rittensi mit kusse enpflenc. 
3) Nib- Z. p. 89, 7; p. 197, 4. -Iwein 274: Si underkusteil tüsent stunt Ougen, 
Wangen unde munt. 
4) Gui de Bourg. p. 121: Plus de -e- fois li baise et 1a bonehe et le nes   
Plus de -c- fois li baise 1a. bouche et le menton.  Ren. de Mont-eiub. p. 419, 19: La 
face et le menton 1i vas souvent baisanb (Kinder küssen dem Vater ,1e pie et le 
tal0n' ib. p. 224, 33).  Aiol 9612: Plus de -vi_j- fois le baise el 001 et en 1a. fiLChG. 
 Elie de Saint Gille 2599: Plus de -xx- fois li baisse et 1a bouehe et le nes. 
5) Mai u. Bäafi. p. 73, 11 ff. 
6) Erec 1530: Si sprach „f1'0u mznget W01 getän, Dirrä kleider szult ir WiLlldOl 
hän". 
7) Cläomadäs 9645: Ä ce tans in coustume estoit Que en plusours chastizlus 
avoit Ä vestir pour los trespasszmns. Tolle ort In coustume In CmYtaLns, Pour ceaus 
26'"
        

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