Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999126
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Ankunft. 
Lebensmittel anzukaufen, die man dann entwedervon den eigenenDienern 
oder in der Herberge zubereiten liess 1). Reisten die Fürsten im eigenen 
Lande, dann beeilten sich wohl auch die Unterthanen, ihnen Erfrisch- 
ungen auf die Strasse zu bringen und sie willkommen zu heissen 2). 
Langten die Reisenden endliclfam Ziele an, so liessen sie ihre 
Ankunft anmelden, und ihr Freund, der den Besuch schon erwartete, 
gab dann dem Boten eine Belohnung für die gute Nachricht und eilte 
seinen Gästen entgegen 3). Als die Ritter und Damen, welche Graf 
Mai zu seiner Hochzeit mit Beailoi- eingeladen hat, sich der Stadt 
Griffun nähern, schlagen sie vier Meilen vor derselben ihre Zelte auf 
und sammeln sich daselbst. Marschalke werden vorausgesendet, Herberge 
zu suchen; dem Gesinde wird ein anständiges Benehmen eingeschärft; 
dann setzt sich der Zug in Bewegung. Voran die Saumthiere mit 
dem Gepäck, dann folgen die Streitrosse. Hierauf kommen die „besche- 
liere" mit ihrer Herren Bannern; nach ihnen reiten die Knappen. Die 
Damen, wohl vierhundert, jede von einem Ritter begleitet, ziehen sodann 
einher, und den Schluss bilden drei Schaaren von mehr als fünfhundert 
Rittern, umgerechnet die, welche die Damen zu geleiten hatten. Die 
jungen Ritter besteigen ihre Streitrosse, als sie der Stadt nahe kommen 
und buhurdieren neben den Damen. Der Veranstalter des Festes aber 
reitet mit seinen Rittern den Gästen entgegen, begrüsst sie herzlichst 
und geleitet sie in die Stadt, wo für alle Herberge bereitet ist. Die 
Damen aber ladet er alle ein, ihr Quartier in der Burg selbst zu nehmen. 
Als dieselben abgestiegen sind, werden sie von der Braut, der schönen 
Bealiör, Willkommen geheissen 4). 
Dem Gaste ging man, das erforderte die gute Sitte, immer ent- 
gegen; auch die Frauen thaten dies und liessen sich dabei von ihren 
Gesellsehafterinnen begleiten 5). Mit dem Kusse enipiing man nur gleich- 
1) Reinfried 7980; 8000: Swazmanwägen inohtehänßlitten, soumer, karren guot, 
Mit spise 1112111 daz allez luot Und schiht inz üf der vart hin mich. Nu was den boten 
vor in gäch. Wie si diu lant durstrouften Und ouch spise kouften, Des waeren si 
untraege, Swä daz her gelange, Dez man dä. spise  Si koften 
uf (ler stmszen, was ir herze gert, Sie taten nieman schaden eins pfenniges wert. 
2) Nib. Z. p. 202, 7: Üzer Medeliche üf banden wart getragen Manec goltvaz 
riche, dar inne bräht man win Den gestcn üf die sträze und bat si willekomen sin. 
3) Wigal. p. 228, 24 HI 
4) Mai u. Bäaü. p. 69, 37  73, 2.  
5) Frauendienst p. 279, 17: Der Wirt mich dä, vil W01 enpüe, Sin wip, diu 
hüsvrou, gein mir gie Mit vrouwen vil ein stieg zetal.  Percev. 10353: Devant 
le palais fu assise Lzi roine por lui atendre, Et ot fet ses puceles prendre Main 
'21 main totes por dancier Et por grant joie comencier; Contre lui (Gauwain) gmnt 
joie connnencent, Cantcnt et cm-olent et dancent.
        

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