Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999119
Nachtquartiere. 
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Nacht erreichte, oder dass man für eine Weile im Freien sich auf- 
halten wollte, nahm man wohl vorsorglich auch Zelte mit 1), doch war 
das immer nur dann möglich, wenn man mit grossem Trosse reiste. 
Einzelne Ritter, die keine Nachtherberge fanden, mussten dann im 
Freien campiren, im Wirthshause des heiligen Julian, wie man dies 
mit Galgenhumor nannte 2). In den Städten konnte man eher Unter- 
kunft finden, entweder in Wirthshausern 3) oder bei den Bürgern, die 
man für ihre Bemühungen bezahlte 4). Wo die Fürsten und Herren 
ihr Quartier aufschlugen, da wurden ihre Banner aufgesteckt, so dass 
jeder im Staude war, sie leicht zu linden 5). Richard Löwenherz schickt 
1'192 seine Marschälle aus, in einem Castell bei Emmaus für ihn 
Quartier zu machen. Das beste ist schon von den Marschällen des 
Herzogs von Oesterreich belegt, und Richard beiiehlt das Banner des 
Herzogs herunterzureissen und in eine Düngergrube zu werfen 6). Auf 
den Schlössern, die man unterwegs antraf, liess man sich vorher an- 
melden und um Gastfreundschaft bitten 7). 
Für eine grössere Reisegesellschaft fand man aber leicht selbst 
im Wirthshause oder bei den Gastfreunden nicht genug Vorräthe; 
deshalb laiiegte man bisweilen Boten vorauszusenden und durch dieselben 
1) Parz._668, 9: Si fuorten ouch, des sit gewis, Ein gezelt, daz Iblis Clinschore 
durch minne Sande. , 
2) Perceval ist den ganzen Tag unterwegs gewesen und hat nirgends etwas 
zu essen gefunden (29242): Brios a dit par graut amor ,.Sire, nous averonc anuit 
L'0stel saint J uliiens, je quit."  Amadas et Ydoine 3702: Il a l'ostel saint J uliien. 
 De Boivins de Provins (Barbazan, Fabl. III, 362) 159: L'0stel aurez saint Julien. 
3) Die h. Elisabeth bleibt die erste Nacht nach ihrer Vertreibung von der 
Wartburg „in einer wintaberne" zu Eisenach (h. Elis. 4909).  Die Wirthe sollten 
aber, wie Ludwig IX. 1254 und 1256 befahl, nur den Fremden aufnehmen und ihm 
zu trinken verabreichen: Nul ne soient reeeü a faire demeure en taverne, se il 
n'est treslaassant, ou il n'a aucune mansion en la Ville. Nul ne voise boire en 
taverne, se il n'est trespassant ou tel que il n'ait point de maison cn 1a Ville. 
(Ordonnances des Rois de France (Par. 1723) p. 74 N. 29 und p. 79 N. 12.) 
4) Dietrich findet auf seiner Flucht Herberge bei einem Kaufmanne in Grau; 
nach dem Essen legt er sich zur Ruhe. Dietr. Fl. 4630: Hildebrant "der getriuwe 
man Der gie zu0 dem Wirte hin; Er sprach „sehaffer ich bin, Welt ir den gelt 
hinaht?" Er sprach: „des Wirt noch wol gedaht."  Kudr. 1593: Ez wart in allen 
richen ein wirt nie sö guoter Sam diu edele witewe; ir geste gulten weder win 
noch daz vuoter. 
5) Ottokar LXXXIX: Da er zue chom geriten, Als der marschalich hiez, Ye- 
gleiche panir man (Pez: maz) stiez, Da sein herberig solt sein. 
6) Matth. Paris. 1192: ut vexilluin ducis in eodem hospitio pro signo aifixum 
in cloacam dejiceretur. 
7) Der Chastelain de Couci (5022) schickt seinen "sommier" voraus und lasst die 
Schlossherrin um Nachtquartier bitten; ib. 6300: Le sommier haste et si Penvoie 
Par Postel querre droit voie Et conmande que le disner Hasteeluent face aprester. 
Schultz, höf. Leben. 1. 26
        

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