Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999055
begle 
Reise" 
itung. 
395 
Reitthier weiden 1assen1). Auch von den Fruehtfeldern konnte er zu 
seiner Sättigung so viel nehmen, als er, mit einem Beine noch auf 
dem Rosse, mit einem Schwerte, Messer oder einer Sichel abznmähen 
vermochte. Nur durfte er nichts mitnehmen, also nur für seinen 
ztugenblicklichen Bedarf sorgen; that er dies nicht, so riskirte er, als 
Dieb gehängt zu werden z). 
Früher, in der guten alten Zeit, war es einer Jungfrau nicht 
verdacht worden, wenn sie allein reiste; aber zur Zeit unserer Dichter 
_;nah1n man ihnen das schon sehr übel, und traute ihnen alles 
Ehrenrührige zu, sobald man sie ohne Begleitung, sei es auch nur 
ihrer Gesellschafterinnen, ausreiten sah. Die Zeit war eben so leicht- 
fertig, dass man ohne weiteres annahm, die einsame Schöne ginge 
auf Abenteuer aus 3). S0 musste sie bei kleineren Ausflügen immer 
eine Dienerin bei sich haben (s. S. 154), bei grösseren Reisen wenig- 
stens von einem Ritter begleitet sein (Fig. 90). Was auf einer 
solchen Reise zwischen den Reisegefährten verging, das hatte nie- 
manden zu kümmern, wenn nur der Ritter gütlich seinen Zweck 
erreichte, nicht Gewalt brauchte. Eine solche Escorte erschien 
schon deshalb nothwendig, weil die Wege unsicher waren. Wir hören 
häuiig, (lass die Romanhelden Jungfrauen aus den Händen fahrender 
Ritter befreien, die, nachdem sie den Begleiter getödtet, dem Mädchen 
Gewalt anthun wollen. Die gute alte Zeit war auch längst vorüber, wo 
der Herzog Robert von der Normandie seine goldnen Armbänder an 
1) Friderici I. Constit. de puce tcnenda (1156, Sept. 18; MG. Leg. II, 103) 
19: Quicunque per termin tmnsiens equum suum pzbbulare voluerit, quantuln prO- 
pinqllO secus viam stans in loco amplccti potuerit, ad refectionem et respirationem 
equi sui, impune ipsi equo porrigat. Licitum sit, ut herba et viridi sylvzu sine va- 
stzutione aliqua. quilibet utatur pro sua comotlitate et usu necessmrio. 
2) Heinrici Regis Treuga. (1230, JuL; MG. Leg. IT, 267) 7: Viator in via, nnum 
pedein tenens in equo suo, cultello, gladio vel fnlee segetes incidere potest, ut 
ipsuin rcüciat, im quod nihil inde deferat. Si autem segetes aliter inciderit et ali- 
quid inde dctulcrit, laacem violaverit, fur suspendetur. 
3) Lanz. 2326: Hie vor was ein ellich site, Dm ez dem m-(unne niht was leit 
Swä. ein vrouwe hin reit, Selb nnder oder alleine. Nu phliget ez wibe deheine: 
Si limt ex durch der mzbnne zorn.  Wigal. p. 64, 12: Eine juncfrowen aleine 
Sähen si für sich riten. Bi den selben ziten Was daz gewonolich, Si waere zum odc 
rich, Dzmzs W01 mohte durch ir muot Riten SWHI si dühte guot, Umbesprochen und 
inne leit. Daz was dö gewonheit, Swii man deheine riten saeh, Daz ir niemen niht 
enspmch. Nu ist diu werlt vzilschaft     Ezn maß nu ze Wäre Ein frouwe 
für ir hüs niht komen (Als ichz ofte hän verneinen), Man spreche, si gö durch 
Tiösheit. 
        

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