Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998950
Sättel  
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stellend den Tod des Pyramus und der Thisbe, verziert. Die Fransen 
(Vasen) sind ein Goldnetz, das über die Kruppe des Pferdes gebreitet 
ist („über die goffen zerbreit"); auf den Kreuzungen der Goldfaden 
liegt immer ein Rubin in einer lasurfarbenen Fassung. Der Brustgürtel 
(lfürbüge) ist mit Edelsteinen und mit goldnen Schellen besetzt. 
Man könnte zunächst glauben, auch bei Beschreibung des Sattels 
haben die Dichter etwas übertrieben. Indessen das ist keineswegs der 
Fall: wir haben noch eine ganze Anzahl elfenbeinerne Sättel, wenn 
auch nicht aus dem zwölften und dreizehnten, so doch aus dem vier- 
zehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Der Sattel des Herzogs Mag- 
nus II. Torquatus ("t 1373), reich geschnitzt und mit Spuren von Be- 
malung, wird jetzt im Herzoglichen Museum zu Braunschweig be- 
wahrt und war 1876 in München ausgestellt (N. 1421); einen andren 
Elfenbeinsattel (N. 1.422) aus dem vierzehnten Jahrhundert hatte Prinz 
Karl von Preussen aus seiner Sammlung, einen dritten (N. 1354) Graf 
von Enzenberg auf Schloss Tratzberg in Tirol ausgestellt. Der letzt- 
genannte Sattel war schon 1873 auf der Wiener Ausstellung, und ist 
im achtzehnten Bande der Mittheilungen der k. k. Commission p. 208, 
Fig. 85 abgebildet. Drei andre Sättel des fünfzehnten Jahrhunderts 
besitzt das Pesther National-Museum (Fig. 87) 1); auch in der Ambraser 
Sammlung ist noch einer zu finden. S0 sind mindestens sieben reich- 
verzierte Elfenbeinsättel vorhanden, und wir dürfen daher nicht be- 
zweifeln, dass es schon im zwölften und dreizehnten Jahrhundert 
solche Luxusstücke wirklich gab.  
Eine andre Frage ist, 0b man aus Fischbein 2) Sättel anfertigte, 
und auch sie wird wohl nicht unbedingt zu verneinen sein. Gewöhnlich 
aber machte man sie aus dem festen Holze der Hagebuche, wie aus 
der oben angeführten Stelle des Erec hervorgeht, bemalte sie mit 
Wappen 3), Blumen und sonstigen Ornamenten 4); Vergoldungen durften 
nicht fehlen 5). Goldne und silberne Sättel werden aber schon aus 
praktischen Gründen kaum gebraucht worden sein G); vielleicht dass 
1) Mitfh. X, p. I, WO alle drei nbgelyildet, sind. 
2) Huon de Bord. p. 193: Li sele fu d'0s de poison de 111er; cf. p. 228. 
3) Pamz. 474, 5: Ame mtel ein turteltübe stät: Daz ors von Munsalvznesche gät. 
' 4) Doon p. 200: Li archon sunt dessus im esmail tresgetä Ä fiouretes (Tasur 
pourtret et Houretä. 
5) Auberi p. 189, 31: La sele doree; cf. p. 207, 13. 
6) Percev. 36024: (m1 palefroi) moult ricement cnselet D'une siele Pointe ä, 
oisiaus, Ä biestes et im HOUChiZLUS; D'or "et (Pargent tote massice.  Brnn de 1a, Mon- 
taigne 472: Une selle (Pargent Qui toute estoit ouvröe a, pelles (sc. perles) (1'Q1.ient_ 
Schultz, höf. Leben. I.  '25
        

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