Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998823
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Dressur 
Falke 
Feder lädirt wird 1). Darauf werden sie geblendet, gefesselt und auf 
die Hand gesetzt2). Den ersten Tag behält man sie beständig auf 
der Hand und auch in der ersten Nacht, und trägt sie im Dunkeln 
herum; auch bekommt der Falke kein Futter, damit er dann um so leichter 
die Atzung annimmt. Diese besteht in einer Hülinerkeule. Des Morgens 
früh, wann er im freien Zustande auf die Jagd ausfliegt, ist ihm die 
erste Fütterung und zwar an einem dunklen und stillen Orte zu geben. 
Während des Fressens kann man ihn streicheln und an Berührung 
gewöhnen; auch soll man ihm da zurufen, damit ver später an den Ruf 
gewöhnt und, sich der lilutterstunde erinnernd, leichter zurückkommt 3). 
Man soll sich aber hüten, ihn zu überfütte1'114). Wenn man die Falken 
von der Hand lässt, so werden sie auf etwa einen Fuss lange Gestänge 
(perticae) gesetzt, und da mit der Lancvezzel angebunden. Entweder 
sind diese (äestänge hoch, in lllanneshöhe, Otlß]? niedrig, doch so dass 
sie mit dem Schwanze nicht den Boden berühren. Auch hat man Sitze 
aus Holz oder Stein, die oben eine kreisrunde, von einer Wulst um- 
gebene Scheibe bilden (comprehensa in circuitu circumferentia Colum- 
nari); unten sind sie pyramidal gestaltet und haben einen spannenlangen 
eisernen Dorn, mit dem man sie in der Erde befestigen kann. Ein 
eiserner oder hölzerner Ring wird über den Dorn geschoben und an 
ihm die Longa angeknüpft 5).  
Wenn der Falke ziemlich zahm geworden ist, wird er allmalig aus 
Licht gewöhnt, die Augenlieder werden halb geöifnet (paulatim deci- 
liatur, semideciliaturyi). Nun muss er wieder Tag und Nacht auf der 
Hand getragen, an Futter, Berührung, den Klang der nlenschlichen 
Stimme gewöhnt werden. Man reicht ihm das Futter in kleinen Por- 
1) Der Minne Fulkner 14: Den vzdken hüb ich zarten Und sein geüder schone, 
DzLZ es gewan nie Scharten. 
2) Friderici JI. Jmp. de arte venandi lib. H, cap. 45. 46. 
3) Der Minne Falkner 75): Und schrai laute nach dem valken: Iu suhüuh! 
iu sehoho! ob ums horen ruochte; 96: Mein Inder wurff ich ilmbe Und schrai laute: 
in schoho! 
4) 1ib.H, czmp. 49.  Parz. 191, 12: Waarn die burgzere vederspil, Sine wvaeren 
überkrüpfet niht; 281, 23: Sine valkenzxzr von Kai-ideal Riten s'ä,bents zem Plimi- 
2031 Durch peizcn, dä si schaden kuren. Ir besten valken si verluren: Der giditne 
von in balde Und stuont die naht ze Walde. Von üherln'iip1'e daz geschach, Dm. 
im was von dem luoder gäch. 
5) lib. U, cap. 50. 51.  Parton. 2569: Hie nähen bi mir in ein gzuden, Dor inne 
vindestu geladen Die Stangen V01 mit vederspil, Der vzdken und der habeche vi], 
Der sperwmr und smerillen.  R011. de Montmxban p. 166, 315: Et crier pur ces 
perches ces faucons monteniers. 
6) lib. II, cap. 54.
        

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