Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998814
Dressur 
des Falken. 
371 
(mhd. lancvezzel) ist ein längerer Riemen, der durch die Ringe der Jacti 
gezogen wird, so dass zwei Drittel auf einer Seite, ein Drittel auf der 
anderen bleibt. Letzteres wird geknotet, damit der Riemen nicht durch 
die Ringe durchrutscht, und mit einem Loche versehen, durch welches 
das längere Ende durchgezogen wird. lVlit der Longa wird der Falke 
an seiner Stange angebunden und beim Tragen auf der Faust festge- 
halten 1). Wenn sie sich zu sehr kratzen und den hinter dem Kopf 
zusammengebundenen Faden, der die Augenlider emporhält, zu zer- 
reissen drohen, so kann man ihnen die Hinterzehen (pollices) noch 
zusammenbinden. Sind das die S. 370, Anm. 4 genannten Hoselin? 
Das Verwickeln der Leine zu verhüten, befestigt man in den Ringen 
der Würfel noch einen Doppelring (tornettum), durch welchen die 
Longa dann durchgezogen wird 2). An einem Fusse oder auch an 
jedem derselben wird alsdann eine Schelle (campanella) gebunden, 
damit man gleich aufmerksam wird, wenn der Falke unruhig ist, 
flattert und sich die Flügel zerstösst (diverberat), sowie ihn leichter 
findet, wenn er bei der Jagd verloren geht. Die Löcher der Schelle 
dürfen nicht so gross sein, dass der Vogel mit der Schnabelspitze 
hineinfassen kann 3). 
Nun setzt man ihn auf die Hand, die durch einen starken Leder- 
handschuh geschützt ist. Die Fange sind den Thieren schon gleich 
bei der Operation des Blendens abgestumpft worden. Der Oberarm 
wird herabhängend getragen; der Unterarm im rechten Winkel ge- 
bogen gehalten. Daum und Zeigefinger ausgestreckt und die Spitze 
des Zeigefingers uiuqnlliogen; die drei anderen Finger der Hand wer- 
den geschlossen und halten die Longa, die man um den kleinen Fin- 
ger umwickelt 4). Um dem Vogel das Beissen abzugewöhnen, hält man 
ihm einen Scherben, ein hartes Stück Holz oder einen Stein vor 5). 
In ähnlicher Weise behandelt man die wild gefangenen Falken. Sie 
werden in einen oben offenen Sack (malleolus) gesteckt, der den Kopf 
freilässtund bis zu den Knieen reicht Ü), aber mit Vorsicht, damit keine 
1) Friderici II. Imp. de arte venandi lib. II, cap. 52. 
2) lib I], Camp. 40. 
3) lib. II, cap. 41.  Parz. 163, 7: D6 warf der üirste macre Ein müzersperwvuare 
Von der hende; in die burc 01' swanc; Ein guldin Schelle dran erklanc. Daz war 
ein 130136  Der Minne Falknor 46: Dar zuo breit er zwei Schellen.  Titur. 2304; 
Reht sam da sich tousent valken swingent Und schellen gar von golde im ieg- 
lichem eine louter klingent. 
4) lib. II, cap. 42. 
5) lib. 11, cap. 52. 
6) lib. II, cap. 44. 
24 '
        

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