Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998742
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J agdhaxls. 
der Jäger nimmt das erlegte Thier, das gross und zmstärldig war, und 
befiehlt Feuer und Stroh zu bringen; um das Schwein gut abzusengen, 
legen sie es auf die Erde und machen unter ihm ein Strohfeuer. Sobald 
sie es gut geputzt haben, tragen sie es, das nun sehr gut aussah, vor 
ihren Herrn; auch die Dame ist eilends herbeigekommen. Was soll 
ich weiter erzählen? Die Tische bringen sofort diejenigen, Welche der 
Herr darum ersucht etc." 
Sollte die Jagd längere Zeit dauern und musste man mehrere 
Tage im Walde zubringen, so quartierte man sich in einem Jagd- 
hause ein 1). Guivreiz führt den Erec in sein Jagdhaus, das mitten 
in einem See liegt, wo es daher immer sehr gute Fische giebt. Zwei 
Meilen um den See herum ist der Wald mit Mauern eingehegt, und 
der Forst ist in drei Gehege getheilt: in dem einen ist nur Roth- 
wild 2), in dem andren Schwarzwild, im dritten (7147) „Niuwan kleiniu 
klunder, Fühse, hasen und diu geliche". Die Hirsche werden in den 
See gehetzt; zur Jagd auf Bären und Wildschweine sind „vil starke 
breite spieze" bereit; für die Hasenjagd werden "Hasenwinde" ge- 
halten; übrigens ist alles sonst zur Jagd Erforderliche wie Netze und 
"guot geschütze" im Jagdschlosse vorhanden 3). 
Sonst konnte man wohl bei dem Aufseher des F orstes, dem 
Förster, der oft auch aus edlem Geschlechte stammte 4), Unterkunft 
ünden, wie so häufig in unseren Gedichten die fahrenden Ritter 
daselbst freundlich aufgenommen werden 5). 
War eine solche Herberge nicht zu erreichen, dann musste 
man sich eben behelfen, zur Nacht eine Jagdhütte aus Laub und 
Zweigen bauen 6). Den Proviant liess man sich vom Hofe aus nach- 
1) Biterolf 13276: Daz im doch wol gezaeme Zeim jeithove Stirelant; 13298: 
Nie gejeithof alsö riehen GiLp deheines küneges haut.  Erec 7157: jagchüs.  
Parz. 190, 21 u. 206, 8: weidehüs. 
2) Trist. p. 433, 16: Näeh dem röten wilde jagen. 
3) Erec 7124-4187.  Trist. (ed. Francisque-Michel I, 144): Senglers le häs 
prenoit 0 pans En ses hais grans eerf et biches, Dains et chevreus. 
4) Willeh. 375, 22: Sinen vanen fuorte Tedalün, Der burcgräve von Tasmö. 
Über den Walt Lignalöä Der selbe ouch forstmeister was; 379, 25: Von Lignalöä 
der iörehtier. 
5) Trist. (ed. Francisque-Michel I, 144): A tant errä voie et sentier Qlfä 1a, her- 
berge im forestier En ert venu cäläement.  
6) Chron. des Ducs de Normandie II, 9825: Ce vout e disb e comanda Qubm 
li fist mult graut foilliäes E loges bien aparilliöes De junc jonchäes e de glaie.  
Nib. Z. p. 141, 1: Si hiezen herbergen für den grüenen walt Gäns wildes abeloufe 
die stolzen jägere halt, Dä si dä jagen solden.
        

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