Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995232
Flüsse. 
Deckung durch 
Thalgabelungen. 
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den Flussseiten war jedenfalls schwierig und, zumal wenn die Ufer 
steil emporstiegen, kaum auszuführen. Eine solche Stelle suchen sich 
denn auch die Haimonskinder aus und erbauen da ihr Schloss Mon- 
tauban 1). Auch das in der Nähe von Caesarea angelegte Pilgerschloss 
War in ähnlicher Weise schon von Natur gesichert und bedurfte bloss 
nach der Landseite hin einer künstlichen Befestigung 2). Als Beispiel 
theile ich nach B. Gruebers Aufnahme (Mitth. der k. k. Commission 
XIX. 5) den Grundriss von Klingenberg in Böhmen (Fig. 4) mit. 
Gleiche Vortheile bot eine Thalgabelung, zumal wenn die 
Bergspitze steil abiiel und ein directer Angriff von den Thalseiten 
dadurch unmöglich wurde. Ein schönes Beispiel einer solchen Lage 
bietet das Schloss Hohen-Rhätien in Graubündten, an der Via Mala 
einerseits, an der zum Schynpass andererseits führenden Strasse ge- 
legen, jäh (sechshundert Fuss) abfallend nach zwei Seiten hin und nur 
von der dritten Seite zugänglich. Waren die Felsen nicht steil genug, 
konnten sie doch möglicherweise erklimmt werden, so half man 
künstlich nach, meisselte Steinmassen ab 3), mauerte andere Passagen 
zu 4), kurz suchte die Ersteigung nach Kräften zu erschweren. Von 
der Bergmasse, auf deren hervorspringender Klippe man den Bau 
errichten Wollte, trennte man dieselbe durch einen tiefen Graben, der 
erforderlichen Falles in den Fels gemeisselt wurde: man durchschnitt 
den Berghals 5). Das erste Erforderniss war natürlich, dass man auf 
dem Berge Wasser fand, wenigstens durch einen Brunnenschacht das- 
selbe sich verschaffen konnte, denn Wasserleitungen konnten leicht 
1) Renaus de Montauban p. 108, 22: Les Peve de Garone si sunt acemine 
Si qu'il virent le flot dedens Gironde entre; E1 regort de -ij- eves ont un liu 
esgarde, Une montaigne haute et un tertre quare; Desor est grant et haute, car 
i1 i ont monte.  Vgl. Auberi p. 204, 18: Voit cPOstesin le grant ehastel maiour 
Qlli elf KSSiS en -j- quarrefour De -iij- grans eves qui mainent grant freour. 
2) Annales Colonienses maximi ad a. 1217: (Castellum Peregrinorum) cuius situs 
talis est: promunctorium magnum et altum mari innninet, munitum naturaliter 
seopulis versus occidentem et austrum et septentrionem etc. 
3) Desouz le palais estoit 1a. roiche tranchiee a eisel. Lanceloet, Einleitg. XXIX. 
4) So die Burg Rheinstein bei Blankenburg im Harz (Gottschalck, Ritter- 
burgen HI, 189). 
5) Eneit p. 118, 34: Einhalb dar zü gienk Ein hals, der ne was niht breit. 
Daz was doch diu meiste arbeit, Daz der hals dorchbroehen wart, Want der vels 
der was hart; p. 119, 16: Dorch den hals si grüben Zü der selben zite Graben vile 
wite Tiefe und werehaft.  Virginal 188, 1; Durch den hals so gienc ein grabe 
lewederhalp geschröten abe; Durch ganzen vels gehouwen Was er wol hundert, 
kläftern tief. Dar inne ein snellez wazzer lief. Dar über ein schceniu brucke 
gie, Mit boumen stark verslozzen, Die man an hnote selden lie.
        

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