Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998726
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Sauhetze. 
ihm unangenehm. Aus dem Gehölz ist es ausgebrochen und flieht 
nach dem lliessenden Gewässer; der Ritter folgt ihm, so schnell er 
kann, denn es verdriesst ihn sehr, dass es den Forst verlassen hat. 
So ging es in Eile fort, bis das Wildschwein an das Ufer des 
YVassers kam, Welches sehr tief war. Muthig sprang es hinein; 
jetzt glaubte es in Ruhe zu sein. Aber ein Windhund sprang ihm 
auf den Rücken und packte es mit den Zähnen im Genick; die 
anderen Hunde liefen flugs hinterher, ihrem Gefährten zu helfen, da er 
es sehr nöthig hatte: ehe sie ihn erreicht, hatte der Keiler ihn so ge- 
troffen, dass er ihn unter sich erträinkt hatte. Die anderen waren er- 
schreckt, aber sie hielten sich nicht auf und schwammen immer dem 
Schweine nach. Und der Ritter und die Anderen, sehr betrübt über 
die Hunde, die das Wildschwein tödtete, kennen hinterher mit einge- 
legten Lanzen (lance sor fautre). So lange sind sie im Wasser herum- 
geschwommen, bis sie ans andre Ufer kamen: das Schwein voran, die 
Hunde hinterher; aber es nützte ihnen nichts. Das Schwein floh über 
das grosse Feld in einem fort, so dass sie es nicht ohne Mühe erjagen 
konnten; die Hunde liefen in voller Hast hinterdrein; die Jäger spornten 
ihre Pferde zur Eile an, ihnen zu Hilfe zu kommen, und das Schwein, 
das schon müde wurde, floh in scharfem Trabe. Ein Windhund ist 
vorgesprungen und hat das Wildschwein am Schenkel gepackt; jetzt 
fürchtet es, weil es sich gefasst merkt, dass es zurückbleiben muss: 
es fasst den Wvindhund mit den langen und scharfen Hauern und 
wirft ihn hoch in die Lüfte; beim Niederfallen giebt es ihm einen 
solchen Hieb, dass es ihm sein Gehirn zerschmettert. Die zmderen, 
die das ansehen, fürchten sich darum doch nicht vor ihm; unverzüglich 
fallen sie über das Wildschwein her, und es beginnt wieder um sich zu 
hauen, denn es will sie nicht länger erwarten. Der Ritter wurde sehr 
unmuthig und leistete einen Eid, dass er mit der Jagd nicht aufhören 
wollte, so lange er noch einen Hund am Leben hätte, wenn der Keiler 
nicht vorher schon gefasst wäre. Und das Schwein, das durch das 
Laufen in Schweiss gebadet war, stürmte weiter im Galopp, kam an 
das Wasser zurück und sprang hinein; hinterdrein alle Windhunde und 
die J äger bereits in Unordnung; darauf achteten sie nicht, bis sie ans 
andre Ufer kamen und in schwerer Eile weiterjagten. Das Schwein, das 
keine Lust hatte, zu zögern, hat sich zur Flucht gewendet und immer 
folgten ihm die Windhunde nach, die schon sehr ermattet waren. In 
das Gehölz schlug sich das Schwein, aus dem es früher ausgebrochen 
war, und die Jäger spornten die Pferde, die bereits abgetrieben und 
müde waren, zu schnellerer Gangart.
        

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