Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998700
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Curäe. 
ohne Erbarmen einen Puff (la buife) bekommen, das wisset iiirwalir". 
Die Schulterstücke werden abgelöst, die untere Gurgel (la souz-gorge), 
der Pansen (Yerbiere) und die Kehle ebenso; dann kommt die Brust 
daran. Die Leber übernimmt ein sicherer Mann zur Bewahrung. Den 
Labmagen sammt den Hoden und der Gurgel werden für die Hunde 
reservirt. Dann nimmt man den Lendenbraten heraus 1). Die Keulen 
sollen noch zwei Wirbel (neus) vom Rückgrat behalten. Dann werden 
die Rippenstücke zurecht gelegt; den Schwanz behält der Jägermeister. 
Die Gelenke darf man nicht vergessen vorn und hinten einzuschneiden. 
Den "escorbin"  legt man auf einen Baum. Ich denke, dass mit 
diesem, in keinem mir zugänglichen Wörterbuch erklärten Worte die 
Abfälle bezeichnet sind, die man den Raben und anderen Raubvögeln 
preis giebt. Das Herz bekommen die Aussätzigen; den Knorpel im 
Herzen giebt man einer schwangeren Dame. Nachdem alles dies 
arrangirt ist, wird das Wildpret aufgepackt. Kopf, Hals, Schulterblätter 
und Rippenstücke werden auf ein Pferd, die Brust, der Schwanz und 
die Keulen auf das andre geladen. Nun muss man sich aber beeilen, 
denn es ist schon spät; schnell die Curee. Man nimmt den Darm 
und wirft ihn hin (damit zugleich die oben schon als für die Hunde 
bestimmt genannten Theile), lässt eden der Jäger eine Ruthe nehmen, 
um Streit unter den Hunden zu verhüten, und nun werden sie heran- 
gelassen. Wenn alle gefressen, wird der Hund, welcher den Darm 
(la bouele) gefasst hat, mit dem Zuruf „apele, apele" gelockt; der 
Jäger packt die Haut hinter sich aufs Pferd, stärkt sich noch mit 
einem Schlucke Wein, und nun steigen Alle zu Ross. Die Sieges- 
fanfare zu blasen (prise corner) darf man nicht vergessen. Sobald 
man dem Schlosse naht, bläst man wieder zwei Signale; die es hören, 
sind erfreut darüber. Vom Hirsche gehört dem Jäger die Haut, der 
Lendenbraten (li nombles) und die Vorderkeulen, den Knechten, wenn 
sie sich gut betragen haben, der Hals.  Die beste Jagdzeit ist um 
Magdalene (13. Juli).  In Deutschland scheint man formloser ver- 
fahren zu sein; Siegfrieds Jagdbeute wird einfach auf Wagen nach 
Hause gescheit 2). 
1) Nolnble. Jubinal erklärt dies alte Wort für identisch mit nombril. Da aber 
der Jägenneister Anspruch hat auf einen Antheil am erlegten Wilde, so wird er 
schwerlich mit dem Nabel des Hirsches zufrieden gewesen sein. Ich. ziehe des- 
halb die im Lexicon von Charpentier (Du Gange, Glossarium med. et inf. Latin. 
ed". Henschel, Tom. VII) gegebene Erklärung, die non1b1e mit ächinäe, longe er- 
läutert-, bei weitem vor. 
2) Nib. Z. p. 447, 3: Diu tier man hiez üf Wägenen füeren in daz laut, Diu 
dä verhowen hete diu Sivricles hant.
        

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