Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998692
.116 ULJ a5 u. 
Herrn melden, dass, sobald es beliebt, die Jagd stattfinden kann. Dies 
geschieht zur Zeit, wenn der Hirsch feist ist (li tans 0'011 clainnne 
cervoisous). Kommt dann der Tag heran, an dem der Herr jagen 
will, so steht der Jäger früh auf und geht mit dem Spürhunde nach 
dem Lager (le fort) des Hirsches und sucht zu erfahren, welcher Art 
das Wild ist. Die Losung liest er auf und steckt sie einstweilen in 
sein Jagdhorn, dann geht er nach dem Lager und beschaut die Bäume, 
an denen der Hirsch sein Geweih gefegt hat, macht sich Merkzeichen, 
Brüche, um den Platz wiederzufinden. Zu seinem Herrn zurückgekehrt, 
zeigt er ihm die Losung, die, von einem starken Hirsch herrührend, 
dick, fest und schwer ist, von einem jüngeren Thiere dagegen leicht. 
Der alte Hirsch ist um diese Zeit feister. Wenn nun der Herr zu Pferde 
steigt, macht sich auch der J äiger schnell beritten, nimmt seinen Leit- 
hund und führt die Jagdgesellschaft nach den Brüchen (brisies) zur 
Stelle, wo der Hirsch gefegt hat (aus fretes). Hat man den Platz erreicht, 
wo der Hirsch sich aufhält, so steigt der Jäger ab und untersucht die 
Fährte, zeigt sie auch dem Herrn, wenn er sie sehen will. Dann 
blast er eine lange Fanfare (  lonc mot); die Knechte führen in 
Folge derselben die Meute heran. Der Leithund, an der Leine ge- 
führt, hat nun die Spur aufgenommen; mit drei Fanfaren werden die 
Hunde herangerufen, losgekoppelt und mit lauter Stimme gehetzt. 
Mit drei Fanfaren (menees) werden sie losgelassen; verlieren sie die 
Spur, so werden sie mit zwei Hornsignalen zurückgerufen. Mit dem 
Stecke (estortoire), dessen man sich bedient, die Baurnzweige bei Seite 
zu biegen, zeigt der Jäger den Hunden wieder die rechte Fährte, 
muntert sie mit Hornblasen und lautem Zuruf auf, und so beginnt die 
Hetzjagd von neuem. Sobald der Hirsch sichtbar wird, bläst der 
Jäger drei lange Signale, das macht die Hunde fröhlich. Der Meister 
giebt nun Rzithschliige wie der Hirsch im Walde, in der Ebene, im 
Wasser gejagt wird. Die Hunde werden mit dem Rufe "Ra, ra, ra, 
ra, taho, taho" amgetrieben. Ist der Hirschendlich gestellt, so bläst der 
{Iäiger viermal lange Signale; die Hunde, Diener und {lagdgenossen ver- 
sammeln sich. Darauf durchsclmeidet man die Flechsen der Kniekehle 
(les jarres) des Hirsches, und wenn er gefallen ist, stösst man ihm ein 
schmales Messer zwischen das Geweih und den Hals (man nickt ihn 
ab). Die Hunde werden zur Tränke geführt, den Hirsch legen die 
Knechte auf den Rücken, und nun beginnt die kunstreiche Zerlegung. 
Von den Hoden bis zum Kopf wird die Haut aufgeschnitten und 
dann abgestreift. Die Wirbel (neus) soll man nicht hinwerfen: 
„und wenn es vorkäme, dass einer dies Gebot überschritte, so soll er
        

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