Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998683
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Curie. 
Leuten gegeben oder irgendwie verwendet werden. Auf der Haut 
des Hirsches liegen nun die vier Stücke vom Herzen, der Magen 
und die Eingeweide in kleine Stücke geschnitten, und jetzt lockt 
Tristan mit dem Rufe: „Za, za, za" die Hunde herbei. Den Jägern 
erklärt er, dass Curie von Cuire abgeleitet sei, weil der Hunde 
Theil auf der Haut ausgebreitet werde. Dann heisst er die Jäger 
Gerten abschneiden und die Stücke des Wildprets aufpacken; das 
Hirsehhaupt sollen sie in der Hand führen: sie wüssten sicher, meint 
er, wie man in höfischer Weise die Jagdbeute darbringen (prisanten) 
solle. Als sie nun aber nach Hause reiten, zeigt es sich, dass Markes 
Jäger auch von dieser höiischen Sitte keine Ahnung haben. Auch 
das muss er ihnen lehren. Er bricht für sich und den Jägermeister 
einen frischen Kranz aus Lindenzweigen, und als sie sich nun dem 
Schlosse Tintajoel nähern und vor dem Burgthore angelangt sind, heisst 
er die Jäger zwei und zwei reiten und die Stücke so tragen "also der 
hirz geschaffen si"; voran das Gehörn, dann die Brust, die Laufe und 
Rippen, zuletzt die Haut und die Furkie: „deist rehtiu jagerie". Er 
reitet neben dem Jägermeister, lässt sich ein Horn geben und fordert 
sie auf, wenn er bläst, mit ihren Hörnern einzustimmen. S0 reiten sie 
zwei und zwei in die Burg ein, und als sie drinnen sind, bläst 
Tristan nebst seinen Jagdgenossen eine prächtige Fanfare, so dass der 
König und die Hofleute über „daz vremede jageliet" erschreckernund 
alle aus dem Palas auf den Hof eilen. Tristan bläst nochmals, 
als er des Königs ansichtig wird, eine Fanfare, unddann erst be- 
grüsst er ihn. 
Wie schon die Bezeichnungen Furkie, Curie zeigen, ist dieses 
ausgebildete Jagdcärimoniell französischen Ursprungs. Gesuhildert 
wird uns dasselbe noch eingehender in dem Gedichte: „La Chace 
dou Cerf", welches Achille Jubinal im ersten Bande seines Nouveau 
Recueil de Contes etc. p. 154 ff. veröifentlicht. Es ist in Form eines 
Dialoges zwischen einem erfahrenen Jäger und einem lernbegierigerl 
Novizen abgefasst; ich hebe nur die allgemeiner interessirenden Stellen 
hervor. Wenn man im Winter das Wildschwein bis gegen die Fasten- 
zeit gejagt hat, dann kommt die Hasenjagd; sobald aber die Bäurne 
blühen und der Frühling naht, dann ist es Zeit, den Hirsch zu hetzen. 
Die Spürhunde und die Meute werden abgerichtet und ein zur Hetz- 
jagd geeigneter Platz gesucht. An der Losung und der Fährte erkennt 
man, ob man mit einem alten oder jungen Hirsche zu thun hat. Vor 
dem Beginn der eigentlichen Jagd hetzt man vier Hirsche, bloss um 
die Hunde wieder in Uebung zu bringen; dann soll der Jäger dem
        

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