Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998663
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J agd. 
wurde 1); die Herren hatten noch nicht Grund, so ängstlich wie heute 
ihren Wildstand zu schonen. Wer den Hirsch erlegte, hatte das Recht, 
von einer der anwesenden Damen einen Kuss zu verlangen 2). Oft 
genug verlor man auch die Spur und musste die Jagd deshalb ver- 
schieben. Bei einer Jagd des Königs Marke spüren die Jäger ein 
Rudel (trünne) Hirsche auf, unter denen auch ein weisser sich findet. 
Diesen weissen Hirschß) verfolgen sie bis zum Abend, da verlieren sie 
die Fährte; der König ist sehr verdriesslich, dass dies seltene Wild 
entkommen, und verschiebt die Jagd auf den nächsten Tag. Die 
Hunde werden eingefangen und man bleibt die Nacht im Walde. 
Am nächsten lllorgen früh vor Tagesanbruch nimmt der Jägermeister 
den Bracken ans Leitseil, befiehlt den Jägern ihm zu folgen und 
spürt Wirklich den Hirsch wieder auf 4). 
Eine andre Jagd wird im Meleranz beschrieben. Der Held be- 
gegnet da dem alten Jägermeister, der ein goldbeschlagenes Jagdhorn 
am Halse hängen hat und an einem seidnen Seile den Leithund führt. 
Sie kommen zu dem Jägertross, und einer der Knechte meldet, dass 
er die Spur eines sehr grossen Hirsches entdeckt habe. Dreizehn 
Spürhunde werden auf die Spur gehetzt, der Jägermeister führt den 
Leithund. Sobald der Hirsch gefunden ist, lässt man die Hunde los; 
der Hirsch flieht nach der Lichtung, wo Artus seinen Imbiss kochen 
lässt; Meleranz ereilt ihn, fangt ihn beim Geweih und bringt ihn so 
der Königin 5). 
1) Ren. de Mont. p. 
cers et los bices berser 
57, 29: Bien 
et archoier. 
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les 
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2) Erec 110-1: Nü was ez alsö ergangen, Daz den hirz hete gevangen Der 
kunec Artüs mit sinei" hant. Daz reht, daz da von wart benant, Daz was im ge- 
vallen, Daz er undern mägden allen Eine küssen solde, Swelhe er wolde. 
3) Vgl. über die Jagd des weissen Hirsches Lanzelet G7 30 und Ohrest. de 'I'roies, 
Erec 45 H". 
4) Trist. p. 434, 9 H". 
5) Meier. 1920: Im widerreit ein alter man, Dem was W01 ze gejeide kimt. 
"Er fuort einen schoenen leithunt An einem seile sidin. Ouch hienc an dem halse 
sin Ein vil schoenez jagehorn, Daz was von golde beslagen vorn; 2017: Däb der 
jäger sin knehte vant Und sin ruorhunde, zehant Fragt er sin knehte innere, Ob 
kein hirz ervarn waare. Der jägerknehte einer spr-ach "Den groesten hirz, den ich 
ie gesach, Meister, den hän ich ervarn"; 2027: Die hunde hiez der meister dar ln 
die ruore ziehen gar, Edelei" ruorhunde Driuzehen an der Stunde. Den leithunt 
nam er an die hant, Vil schiere er den hirz vant. Man streift diu seil den hun- 
den übe; 2078: Meleranz fiügeling erreit Den hirz, wan er des gerte, Daz er in 
mit dem SWBTtG Het ervalt swenn er wolde. Cf. 2152.
        

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