Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998535
Nahrung 
der 
Bauern, 
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König Wenzel von Böhmen 1'297 sein Krönungsfest feiert, war so 
viel übrig geblieben, dass man den Werth auf 200 Mark (also etwa 
S000 Reichsmark) anschlug; trotzdem wurde alles an die Armen und 
die fahrenden Leute verschenkt 1). Ebenso überliess König Albrecht 
die Ueberreste des auf dem Reichstag in Nürnberg gehaltenen Fest- 
inahles den Armen 2). 
Das war auch den armen Leuten recht wohl zu gönnen, da sie 
gewiss für gewöhnlich sehr schlecht lebten. Die Bauern sind doch 
immerhin nicht unter die Armen zu zählen und Welches Leben führen 
sie! Ihre Feierstunden brachten sie damit hin, lang ausgestreckt auf 
der Erde zu liegen und das Ungeziefer sich absuchen zu lassen 3). 
Ihre Nahrung scheint, wenigstens unter den babenbergischen Fürsten, 
auch gesetzlich festgestellt gewesen zu sein: Wildpret war ihnen 
verboten, dagegen Fleisch, Kraut und Gerstenbrei erlaubt; in den 
Fasten sollten sie Hanf, Linsen und Bohnen essen, Fischgerichte und 
Oel aber den Herren überlassen. Als Seifried Helbling dies schrieb, 
war die gute alte Zeit allerdings schon vorbei; die Bauern liessen 
sich gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts zum grossen Aerger 
des Adels Delicatessen eben so gut schmecken als die vornehmen 
Herren4). Doch das konnten nur die Reichen thun; die ärmeren Bauern 
lebten recht kümmerlich. Da erzählt derselbe Seifried Helbling 
(l, 942 ff.) von einem Bauer Rüdeger, der seine IFrau bittet, kleine 
Stücke vom Rauchiieisch ins Kraut zu legen, damit der Schinken oder 
die Speckseite (der bache) desto länger vorhält. Die Frau setzt ihm 
deshalb des Morgens das Kraut vor, hat aber das Fleischstückchen nur 
an einem Faden in das Gericht gehängt und nimmt es nun wieder 
heraus, um noch mehrmals damit das Kraut zu schmälzen. Auf den 
Acker giebt sie ihm einen Ramft Brot mit; sie selbst isst, während der 
1) Ottokar DCLIII. 
2) Ottokar DOLXXXVIH. 
3) Renner 1350: In ein dorf kom ich geriten, Da lagen gebaur nach iren si- 
ten An ir gemache uf ir wammen, Zuo irn haubten sazzen ir ammen, Die mit 
iiizze tierlieb suochten.  Uebiigens waren auch vornehme Leute von Ungeziefer 
nicht verschont, Frauend. p. 342, 7: Dä sach ich den gesellen min Mit- klüben vil 
nnmüezic sin. Er klübte dort, er klübte hie: Der tac im gar da mit zergie. Mit 
solher kunst ein Wälsch man Niht bezzers inöht dö hän getän. 
4) Seifr. Helbl. VIII, 874: Ir sült daz lant setzen hie, Als iz der herzog Lui- 
polt liez. Die gebären er tragen hiez Knütel für die hunde; Daz swert man in 
niht gundei (vgl. oben S. 239 H.) Noch den langen inisicarä (ITIiSBYiCOYdiiL, Dolch). 
Man schuof in zeiner lipnar Vleisch unde krüt, gerstbrin; An wiltlaraet solden sie 
sin: Zem vasttag hanf. lins unde bön; Visch und öl sie liezen schön Die herren 
ezzen, daz was sit. Nü ezzent- sie den herren mit, Swaz man guotes vinden mac
        

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