Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998524
342 
Uebermässiges Trinken. 
als ein Wintertag zur Weihnachtszeit 1). Der Wein floss in Strömen 2), 
und so Mancher mag da wohl einen tüchtigen Rausch davongetragen 
haben 3). Noch galt es nicht für anständig, sich zu übernehmen 4), 
und von dem wahren Cultus der Betrunkenheit, der zumal von den 
deutschen Fürsten und Herren des sechszehnten Jahrhunderts gepflegt 
wurde, war man doch noch sehr weit entfernt. Eine Verherrlichung 
des Trunkes finden wir in unseren Gedichten nie; Compositionen wie 
der Weinschwelg, der Wiener Meerfahrt, sind in bürgerlichen, nicht 
in adligen Kreisen entstanden. Von den üblen Folgen den Trunken- 
heit wird deshalb auch nur ausnahmsweise berichtet, und doch mögen 
der saure Kratzer oder die gesüssten und gewürzten Getränke, zumal 
im Üebermass getrunken, den Herren auch nicht zum besten bekom- 
men sein. „Le dit des Planetes", welches A. Jubinal im zweiten Bande 
seines Noilveau recueil de Contes abdruckt, erzählt (p. 375) wie die 
Bürger des Sonntags statt in die Kirche in die Schenke gehen und 
vom Morgen bis zum Abend da pokuliren, schreien und spectakeln, 
bis der Wirth, wenn es zu spät wird, sie hinauswirft. "Und wenn 
dann der nächste Tag kommt, dann thut ihnen der Kopf weh und 
die Hand zittert ihnen und mit Anstrengung gehen sie aufs neue 
ins Wirthshaus (Hundehaare aufzulegenzlors vont par effors Au poil 
du chien qui les amors). Da fangen sie die Schlemmerei von neuem 
an, und wenn sie dann nach Hause kommen, prügeln sie Weib und 
Kinder." Aber auch vornehme Herren bekommen das Podagra 3) 
und haben sich wahrscheinlich durch vieles Trinken dies Leid selbst 
zugezogen. 
Die Ueberreste 
der Mahlzeit 
Wurden 
3.11 
die Armen 
vertheilt. 
Als 
1) Percev. 9617: Et li inangiers ne fu pas cours, Qui dura. plus que  j  Lies 
jors Entor Nativitä ne dure. 
2) Renner 4773: Ich gedenk wol, daz ich zeimal saz Bi künig Adolf niht verre 
und az. Da goz man Wein hin als ein pach. Ditz tet mir we, do ich daz sach. 
Der tisch gerihte mich verdroz, D0 vor minen füzzen Hoz Der wein, als über ein 
velt der brunne. 
3) Her Reinmar von Zwetei- II, 116 (HMS. II, 198): Ir edelen knehte ir lernet 
also trinken, Daz ir iht Schildes halp beginnet hinken; Vür durst ist trinken W01 
erloubet: Swem aber durch des zapfen klink Umnaerent ritterlichiu dink, Der 
breit hin heim vil lihte ein trunken houbet.  
4) Du prestre et de 1a danie 103 (Mäon, fabl. IV, 184): Que il fu maintenant 
toz yvres. Si ot vaillant plus de inil livres E11 son chatel que all lllatill- Lors 
eommance ä, lmller lathi Et poistroillaz et alemant, Et puis tyois et puis flem- 
mant, Et se ventoit de ses largesce, Et d'une trop {iere proesce Quc i1 soloit faire 
es anfance: Li vins Pavoit fait Roi de France. 
5) Parz. 501, 26: Ein siechtuom heizet pögtät Treit er, die leme helfelös.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.