Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998511
Schlaftm nk. 
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von ihren Feldzügen, von den überstandenen Gefahren, von Schlachten 
und Siegen und begeisterten die Frauen wie die heranwachsenden 
Jünglinge, lieferten auch dem Geschichtsschreiber den Stoff zu seinen 
Aufzeichnungen 1). ' 
S0 sitzen sie unter anregenden oder belehrenden Gesprächen bis 
tief in die Nacht hinein; endlich bricht die Dame vom Hause init 
ihren Frauen auf, dann begeben auch die Männer sich zur Ruhe 2). 
uVor dem Einschlafen aber wird ihnen noch eine Stärkung ver- 
abfolgt, der Schlaftrunk 3). Man kredenzt ihnen noch Wein oder 
Möraz und überlässt sie dann dem Schlafe. Gewöhnlich brachte der 
der 
Wirth 
selbst 
den 
Gast 
die 
Schlafkammer 
und 
verabschiedete 
sich, sobald der Schlaftrunk genossen war 4); eigenthümlich erscheint 
es dagegen, wenn auch Jungfrauen dies Amt übernehmen. Parzival 
liegt schon im Bette, ist also nackt ausgezogen, als ihm auf der 
Gralsburg vier Mädchen Wein, Moraz und Lntertranc, sowie Obst 
überbringen 5). Uebrigens verschmähen auch junge Damen eine solche 
Stärkung nicht; Kudrun mit ihren Mädchen wird auch ein Schlaftrunk 
gereicht  Es scheint jedoch der Schlaftrunk nicht in Frankreich 
üblich gewesen zu sein; ich habe Wenigstens nirgends eine Anspie- 
lung auf denselben in französischen Gedichten gefunden. 
Ein Festgelage, das ein grosser Fürst veranstaltete, währte länger 
1) Ottokar erzählt c. CCCCLXIII die Eroberung von Accon: „A1s0 wart mir 
verjehen Von den, die pei den jaren Enhalb des iners gewesen warn."  
2) Dunnars 9816: Grant piece sisent de 1a nuit; 9803 ff.  Meler. 5987: Der 
Wift hiez trinken tragen dar, Die ritter und die frouwen klär, Die vor in säzexi. 
trunken dä. Dö daz geschach, dar näcvh iesä Der Wirt zuo den frouwen sprach 
,Ir frowen, vart an iwern gemach". 
3) Mel. 1339: släftrinken.  Reinfr. 18678: Dö si gesezzen wären Sus mit 
fröudenricher maht Nähe für die mitte naht Und man släfen solte, Den werden 
fürsten holte Man mit richem solde In durliuhtem golde Eins släfes trunc.  
Uröne 7360: An daz bette hiez im holn Der Wirt ein släftrinken.  Gr. Wolf- 
dietr. 959: Trinkfas und schalen Waren von golde rot, Darinne man den herren 
ein schlaftrinken bot. 
4) S0 im Meleranz 5621: Nu brüllt man släftrinken her, Daz was des Wirtes 
ger, In zwein köphen silberin Beide inöraz unde win.  Dann sagen sie sich 
gute Nacht; Meleranz lässt sich von zwei kinden ausziehen und verabschiedet sie 
dann (5636).  
.5) Parz. 244, 18: Möraz, win und lütertranc Truogen ch-i üf henden blanc; 
Diu viei-de juncfrouwe wis Truoc obz der in't von parrlis Uf einer tweheln blanc 
gevmx Diu selbe kniete onch für in dar. 
6) Kudr. 1329: Von mete und ouch von wine die armen wären vlizecliche 
bereiten.
        

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