Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998476
Anstandsregeln. 
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schmatzen und sonst unpassende Töne von sich zu geben, mit dem 
Messer in den Zähnen zu stochern, auch im Laufe des Mahles den 
Gürtel etwas weiter zu lassen. Solche Leute hat es jedenfalls ge- 
geben, und für die sind solche Lectionen gewiss nicht überflüssig 
gewesen. Sie mussten ermahnt werden, sich vor dem Trinken den 
Mund zu wischen, die abgenagten Knochen nicht" wieder in die 
Schüssel zu werfen und vor allem sich nicht mit Essen und Trinken 
zu übernehmen, wie dies zu geschehen pflegte. Das Brot sollte man 
nicht beim Schneiden an die Brust drücken, wie dies schwache Frauen 
thun, nicht beim Schneiden die Finger auf das Messer stützen, wie das 
die Kürschner gewöhnt sind. So werden noch eine Menge guter Lehren 
gegeben, die im Einzelnen hier zu verfolgen zu weit führen würde. 
Auch die Anweisungen, welche im Roman de la Rose den Damen 
gegeben werden, sind nicht minder beachtenswerth. Zumal wird von 
der Frau vom Hause verlangt, was heute gerade für gänzlich unpassend 
gehalten wird. Sie soll sich nämlich merklich um die Wirthschaft 
kümmern und in ihrer Geschäftigkeit zu spät zur Tafel kommen, sich 
zuletzt niedersetzen. Dann soll sie ihrem Tischgenossen, der mit ihr 
aus einer Schüssel isst, vorschneiden und vorlegen 1). Aber auch 
sie ermahnt der Dichter, in die Brühen (broez) die Finger nicht „jus- 
qu'as jointes" zu tauchen, die Lippen nicht mit Suppe, Wasser, fettem 
Fleisch unsauber zu machen, nicht zu viel auf einmal in den Mund zu 
stecken. Sie soll die Bissen fein mit den Fingerspitzen fassen und 
sich nicht betropfen, beim Trinken nicht begiessen, nicht mit vollem 
Munde trinken. Vor dem Trinken gebührt es sich, dass sie sich den 
Mund wischt, wenigstens die Oberlippe, denn sonst kommen Fett- 
perlen in den Wein. Und dann soll sie langsam trinken, nicht auf 
einen Zug einen Becher hinunterstürzen 2). 
Auch den Becher so gierig wie manche Ammen an den Mund zu 
1) Rom. de 1a Rose 14325: Si säfiert bien qu'el soit P1 table De contenance 
eonvenable: Lors n'est dolors qlfele n'a.ga.it; Mes eins qu'e1 si voise seoir, Face- 
soi par Fostel veoir Et ä. chascun entendre doigvle Qlfele fait moult bien Sa be- 
soingne, Aille et viengne avant et arriere Et s'asiee 1a derreniere, Et se face un 
petit atendre, Ains qu'e1 puisse ä seoir entendre. Et quant e1 iert ä table assise, 
Face, s'e1puet, ä. tous servise. Devant les autres doit taillier Et du pain entor soi 
baiJJier; Et doit por gräce deservir Devant le compaignon servir Qui doit men- 
gier en s'eseuele. Devant li mete cuisse ou ele, Ou buef ou porc devant li taille 
Selonc ee qu'il auront vitaille Soit de poisson, soit de eher. 
2) Rom. de 1a, Rose 14349-74.  Chastiement des Dmnes (Meon, Fabl. II, 200) 
515: Toutes les foiz que vous bevez Votre bouche bien essuiez Que li vins en- 
cressiez ne soit, Qu'il desplet moult {x cui le boit. 
Schultz, 1m. Leben. I. 22
        

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