Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998416
bei 
Bedienung 
Tische. 
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Sobald Alle Platz genommen hatten, wurden die Speisen aufge- 
tragen. Der Truchsess scheint unter Tromniel- und Posaunenschall 
die Gange selbst geleitet zu haben 1). Persönlich bediente er seinen 
Herrn nur bei grossen Hoffesten 2). Mit ihm thaten andre Ritter 
Dienst und beaufsichtigten die Edelknaben, Welche das Essen auf- 
trugen. Als Abzeichen hatten der Truchsess und seine Gehülfen 
Stäbe in den Händen 3). Die Edelknaben selbst, in schöne Anzüge 
gekleidet, hatten die Speisen in der Küche zu übernehmen und in 
den Saal zu tragen 4). Die grösseren gebratenen Vögel wurden am 
Spiesse aufgetragen 5); die Knappen legten sie dann auf die bereit- 
stehenden Schüsseln; andere Gerichte wurden auf goldenen oder 
silbernen Platten oder in grossen Gefässen servirtß). Die Knappen 
hatten die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass es nirgends an Ess- 
Waare" inangele; sie mussten dann sofort neue Speisen herbeiholen 7). 
Das Geflügel kam untranchirt auf den Tisch; die übrigen Braten 
aber waren schon zerlegt. Walther von der Vogelweide rathet 
den Köchen, die Bratenschnitten etwas dicker zu schneidens). Bei 
Tische mussten nun jene gebratenen Vögel noch in niundrechte 
1) Wigal. p. 241, 24: Den truhtsaezen giengen mite Busüner, die in bliesen 
vor. Man warf die tanilaüi- enbor Mit slegen, daz der wite syil Dem gedoene gegen 
hal.  Percev. 15888: Et Kex li senesczms vzbit querre Le preinier mes isnele- 
inent. 
2) Eilhart v. Oberge, Trist. 316: Der selbe trogsäze Was dem koninge lip 
genüg: Der scuzzele he doch nicht en trüg, Wan in grözer höehzit, Daz vorsach 
der koning im äne nit; Wen lie was ein forste höch geborn. 
3) Durniars 9795: Mesire Kes qui bel servoit, -Xv- chevaliers i avoit, Qui 
estoient de  maisnie. Chascuns tint 1a verge empoignie, Tot servoient ensenble 
0 lui.  
4) Rom. de Brut. 10741: Li senescax Kex zwoit non Vestus d'un vermel sig- 
laton, Cil servi a1 mangier le roi. Mil damoisiax avoib ä soi, Qui estoient vestu 
(Termine, Cil servoient de 1a quisine; Sovent aloient et espes Eseueles portenb 
et mes.  
5) Parise 1a Duchesse p. 69: Atanb ez les serjanz qui portent 10 mengier. Li 
uns porte vj. paon roti en un astier.  Vgl. v. Hefner-Alteneck, Costüme des 
chiistl. MA. H, T. 31 (nach einer Nliniatili- des 14. Jahrhunderts). 
6) Godefr. de Bouillon 7792: Ly uns laortoit poucins boutes en ung besten, 
Ly zuitre cllar de buef, de viel ou de mouton, Ou plant cPargent ou d'or 011 ung 
graut eauderon; 14565: En ung plat d'or portoit ung mes qui fu rostis. 
7) Walewein 4620: Die cnapen quamen ende brochten Die spise ende dien- 
den wel niet ere Vor Wa-leweine ende vor dandre heren. Die gone, die de scote- 
len setten, 1c wane si onlanghe letten, Sine vernieuweden die spise. 
8) Lachmann p. 17, 11: Wir suln den kochen räten, Sit ez in also hohe ste, 
Daz sie sich niht versümen, Daz sie der fürsten bräben Nil sniden grcezer baz dann" 
e Doch dicker eines dümen.  Cf. Willeh. 286, 19.
        

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