Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998370
Giesskannen. 
Waschbecken und 
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Die Wasserbecken sind meist aus Gold oder Silber 1), zuweilen 
noch mit Niello-Arbeit reich verziertz). 1255 verehrte die Königin 
Margarethe von Frankreich dem Könige von England ein solches 
Waschgeschirr, das in Form eines Pfaues gearbeitet, mit vielen kost- 
baren Steinen besetzt war 3). 
Von allen diesen prächtigen Geräthen, die wir hier angeführt 
haben, ist wenig oder so gut wie gar nichts bis auf unsere Zeit er- 
halten geblieben. Je werthvoller das Metall war, desto mehr waren 
die aus ihm geformten Gefässe der Gefahr ausgesetzt, eingeschmolzen 
zu werden. Habgier mag oft genug die nächste Veranlassung dazu 
gegeben haben; indessen auch ohne diese Ursache hat man sicher 
altes Gold und Silbergeschirr gern umformen lassen, wenn neue 
Muster modern geworden waren und man hinter dem modernen Ge- 
schniacke nicht zurückbleiben wollte. Aehnliches können wir ja alle 
Tage selbst erleben. Die Formen der Gefässe müssen wir daher inei- 
stentheils aus den Miniaturen ersehen; eine schöne Zusammenstellung 
derselben, nach den Malereien der Welislawschen Bilderbibel, hat 
Wocel in seiner Publication dieses wichtigen Kunstwerkes T. 2G und 
27 gegeben 4). Besser erhalten blieben Gefässe aus geringerem Me- 
talle, zumal wenn dieselben eine künstlerische Arbeit aufzuweisen 
hatten. Der geringe Gewinn, der durch ihre Zerstörung zu erlangen 
war, reizte nicht, ein hübsch geformtes und reich verziertes Gefass 
einzuschmelzen; man zog dann vor, dasselbe als Zierat zu bewahren. 
So ist das grosse kupferne Wasserbecken erhalten geblieben, das 
unter dem Namen des Taufbeckens des h. Ludwig lange in Vincennes 
bewahrt wurde. Millin hat dasselbe abbilden lassen S). Auf dem 
Grunde sind kleine Fischchen dargestellt, am oberen Rande und an 
der äusseren Seite sind Jagdscenen in Relief getrieben. Die Arbeit 
1) Oläomadäs 17345: Bacins d'or et däucgellt tenoient Cil qui an roi donner 
devoient Ifaigue pour ses nmins alzwer.  Huon de Bord. p. 108: Ägrans bacins 
qui est-oint dorä Lor aporterent Ii sergant ä. lzwer.  Ferguut 25,6: Men brochte 
hem dat Water saen In  guldine beckine Ende ene dwale purperine. Hi dwoch. 
2) Percev. 25222: Däve donent li escuier Es bacins (Pargent noäläs.  
3) Matth. Paris. 1'255: Regina. Francoruxlm Margareta dedit unum pavonem sei- 
licet unum lavacrum mirabile regi Angliae quod similitudinem pavomlis in forma, 
ostendebat. Erat enim quidam lapis lareciosus qui dicitur Perla. Et habuit addi- 
taunenta artificiose nimis corpore insita Ex auro et argento et saphyris sicut verus 
lxwo orbiculatur et illud iocale ornabatur et erat novum et mirabile in oeulis 
omniunl intuentiunx. 
4) Welis1aw's Bilderbibel, veröffentlicht von Erasmus Wocel, Prag 1871. 
5) Antiquitäs nationales II (Par. 1791), Nr. X, P1. 10, 11.
        

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