Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998342
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Trinkschiffe. 
alle erst aus dem Anfang des sechszehnten Jahrhunderts oder aus einer 
späteren Zeit her. Mir sind bekannt: das Schiff der Schlüsselfeldef- 
schen Stiftung, 1503, jetzt im Germanischen Museum zu Nürnberg 
ausgestellt, ein ähnliches Kunstwerk in der Ambraser Sammlung zu 
Wien, der Festpokzil der Universität München, welcher noch von Ingol- 
stadt herstammt. Dann soll das Schifferhaus in Lübeck und die An- 
tonius-Kirche zu Padua im Besitze eines solchen Kunstwerkes sein. 
Dürfen wir aus den erhaltenen Werken der Spätzeit auf die Arbeiten 
unsrer Zeit einen Rückschluss machen  und dies ist unzweifelhaft 
erlaubt  so hatten diese Gefässe einen Fuss, auf dem der Leib des 
Schiffes, der eigentliche Becher ruhte; das Verdeck mit seinen Masten, 
schwellenden Segeln, Tauwerk und flatternden Fahnen und Wimpeln 
bildete den Deckel, der beim Trinken abgehoben wurde, der aber dem 
Ganzen erst die rechte Zierlichkeit und künstlerische Vollendung verlieh. 
Vergoldung wechselt mit ungefarbtem Silber; so treten die Segel in 
blendender Weisse hervor; Wappen und ähnliche Zieraten sind mit 
Emailfarben colorirt. Die Goldschmiede des dreizehnten Jahrhunderts, 
welche die zahllosen Schreine und Reliquiarien, die uns noch von 
ihrer Geschicklichkeit Zeugniss ablegen, geschaffen haben, waren ohne 
Zweifel auch im Stande, diese Gefässe ebenso gut, vielleicht noch besser 
als die späteren Meister herzustellen. 
Nur ein einziges Mal finde ich des Trinkhornes gedacht. Es ist 
aus Gold gebildet, mit Edelsteinen reich besetzt 1). 
 Wasser ist schwerlich bei einem Festniahle getrunken worden. 
In Aegypten hatte zwar der heilige Ludwig die porösen Wassergefässe, 
welche das Getränk schön abkühlten, kennen gelernt 2), aber in der 
Heimath würde er, auch wenn er sie dort hätte haben können, kaum 
ron ihnen Gebrauch gemacht haben; nur im Falle der Noth stillte 
man mitWasser den Durst, für gewöhnlich wusste man sich ein bes- 
seres Getränk zn verschaffen. 
Nachdem die Tafel gedeckt, auch das Essen in der Küche fertig 
und bereit war, trat der Truchsess oder Senechal, der die letzten 
1) Horn et Rimenhild 4152: En 1a butelrie est Rimel apräs goe ent-räe; U11 
00m prist gTant dunt In liste ert gemmäe, K'entu1' 1a, buche ert bien demi-pie 
läe, Si ert d'or affrican im merveille bien ovräe; De piment Padempli, beivre ki 
bien agräe.  Vgl. Joh. de Garlandia, Synonyma, (Reutl. 1487, fol. xliijb): Item 
cornu est equivocum, sed hie sunütur pro eipho. 
2) Joinville 189: Ijyaue dou flum est deßel nature, que quanb nous 1a pen- 
dions (en poz de terre blans que l'on iimit ou palis) aus cordes de nos paveillons, 
Tyaue deuenoit au chaut dou jour aussi froide comme de fonteinne.
        

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