Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998304
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Becher. 
Gläser. 
Holzgefzisse. 
Becher (afr. coupe, mlat. cuppa), zu dem ein Deckel (mhd. lit) gehörte 1). 
Die Schale ohne Deckel heisst Napf 2). Das französische hanap wird 
dem Napfe ungefähr entsprechen haben, rundlich von Gestalt; die Ver- 
wandtschaft mit hanepier, welches den oberen Theil des Schädels be- 
zeichnet, lässt dies als wahrscheinlich annehmen. Vielleicht ruhte diese 
Schale wie die Cuppa des Kirchenkelches auf hohem Fusse, und so 
glich das Gefäss dem Pokale; oder sollen wir den Hanap mit dem 
Humpen vergleichen? Das Wort Humpen ist im 13. Jhrdt. noch un- 
bekannt, vielleicht erst aus Hanap gebildet. Diese Trinkgefzisse sind 
aus Glas, Holz, Silber oder Gold gefertigt. 
Gläserne Schalen erwähnt Wolfram, Parz. 794, 22 ausdrücklich: 
Man truoc von golde (ez was niht glas) Für si manegen tiwern schal. 
Die Hguttrel von glase", die im lrVillehalm 3) genannt werden, 
scheinen auch eine Art Trinkbecher dargestellt zu haben. WVenn nun 
schon von den metallenen Geschirren sich wenige Stücke nur bis auf 
unsre Zeit erhalten haben, so kann man dies von Glasgeiässen noch 
viel weniger erwarten. Und doch haben wir mindestens drei Gläser, 
die noch aus dem dreizehnten Jahrhundert herrühren; das sogenannte 
ldedwigsglas im Museum schlesischer Alterthümer zu Breslau, das Hed- 
wigsglas im KrakauerDomschatz und ein neuerdings vom Germanischen 
Museum zu Nürnberg erworbenes _Glasgefass (s. Fig. 81). Alle drei 
scheinen gegossen, sind trüb grüngelb und mit Figuren verziert. Sehr 
merkwürdig ist es, dass auch Holzbecher antden Fürstentafeln ge- 
braucht, ja sogar hoch geschätzt wurden 4). Besonders standen im 
Ansehen die aus Maserholz gedrechselten 5) Becher (mhd. maser, afr. 
madre) Ü); sie wurden nicht nur mit Gold und Edelsteinen beschlagen, 
1) Cröne 1072: Üz siner kappen zöch er Einen kopf und ein liir.  Dolopa- 
thos p. 59: De ün or fu 1a eoupe toute Et b1en saichiez sans nule doute, Qlfele 
estoit moult riche et plesanz, Bele et bien fete et moult pesanz. Devant Virgile 
assise Fa; Le covecle d'or sus leva. 
2) Flore 1578: Aller missewende fri Was der napf und daz lit (aber beides 
zusammen heisst kopf, 1554).  Fmuend. p. 188, 21: Ich hiez in schenken über 
a1 In kophe, in napfe, in silber schal. 
3) 326, 15: WVir sulen trinken manegez kunnen Und in die clären brunnen 
Hähen guttrel von glase.  Cf. Parz. 622, 9: Mit win ein glesin barel. 
4) Amis et Amiles (Nouvelles fmng. p. 39): Li Apostoiles comandai ä aporte 
dj- anas de fust, ornez d'or. 
5) Gauvain 1860: Maserins font cil torneor, Justes, baiuls et escueles. 
6) Helmbr. 1002: Vil süeze lit gebinne, 11' sult füllen uns den maser.  Mhd, 
Wtb. 11', 38: meserine nepfe.  Garih II, p. 79: Mon henap maserin.  Gui de 
Nanteuil p. S: Le vin porte le rois dedans  maselin.  Elie de Saint-Gille 1449: 
En -j- anap de madre les souda 1a. puchele.  A101 4014: Aiols devant le rois
        

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