Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998225
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Dinar. 
auch das Frühmahl, nach unsrer Ansicht das Diner, sich nicht wesent- 
lich von dem Souper unterschied, so haben doch die Leute des drei- 
zehnten Jahrhunderts feine Distinctionen aufgestellt. 
Üeber das Diner (prandium) äussert sich Bartholomaeus de Glan- 
villa (de propr. rerum, 1. VI, c. XXIH) folgendermassen: „Speise und 
Trank zu Diners und Gastmählern haben ihre bestimmte Ordnung 
und Regel. Zuerst also werden die Gerichte zubereitet, die Gäste 
eingeladen, Sitze und Sessel aufgestellt, im Speisesaale die Tische auf- 
geschlagen und die Tischtücher aufgelegt und geputzt. Die Gäste 
mit dem Herrn werden zu Häupten des Tisches gesetzt, sie nehmen aber 
nicht eher Platz, bis die Gäste (alle) ihre Hände gewaschen haben. Ab- 
seits (deorsum) sitzen die Töchter der Herrin vom Hause; unten speisen 
die Diener gleichfalls an der Tafel. Löffel, Messer und Salzfässer werden 
zuerst auf den Tisch gelegt, dann bald Brot und auch die Becher 
gebracht. Viele und verschiedene Gerichte folgen. Die Hörigen und 
die Diener gehorchen mit Fleiss einem Jeden; indem sie sich gegen- 
seitig einladen, lassen sie C?) sich gleichfalls nieder. Mit Fiedeln und 
Cithern werden sie erheitert. Jetzt werden die Weine, jetzt die Ge- 
richte erneuert, u11d die aufgetragenen Gänge zerlegen sie sich gegen- 
seitig und theilen sie unter einander. Endlich werden Früchte 
und Gewürze servirt. Nach Beendigung des Diners werden die Tisch- 
tücher mit den Ueberbleibseln abgenommen, die Tische von den 
Schragen gehoben, die Hände wiederum gewaschen und abgetrocknet. 
Danksagungen Gott und dem Gastgeber werden ausgesprochen und 
der Erheiterung wegen wieder und wieder die Becher präsentirt. 
Nachdem dies bei dem Diner beendet ist, legt man sich entweder zur 
Ruhe aufs Bett oder man darf nach Hause gehen." Das Souper 
(cena) bespricht er im folgenden Capitel (XXIV) 1): „Alles was oben 
vom Diner gesagt ist, passt auch auf das Souper. Dies Souper aber 
machen sie sehr grossartig und festlich. [Es ist da mancherlei zu 
bedenkenz] Erstens die schickliche Zeit. Denn ein Souper muss zu 
angemessener Zeit, weder zu früh noch zu spät stattfinden. Das 
Zweite ist ein passendes Local, das geräumig, anmuthig und auch 
sicher ist. Denn in geräumigen, anmuthigen und sicheren Localen 
pflegen die edlen Herren ihre Feste zu feiern. Drittens des Ein- 
ladenden Freigebigkeit und die Heiterkeit seines Gesichtes, denn ein 
1) Ich lasse die Erklärungsversuche fort (eena von cenon z 
von cenos : Llmbra, oder von scynos z canis) und ebenso die 
Bibelstellen. 
commune , oder 
herangezogenen
        

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