Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998205
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Hoffeste. 
Freien. Da waren Bänke und Tische aufgeschlagen, alles provisorisch 
aus Brettern zusammengezimmert, etwa wie unsere Schautribünen. 
ikufgespannte Teppiche gaben Schatten, andere deckten den Boden; 
mit den schon oben (S. 64) erwähnten Rücklaken wurden die rohen 
Holzgerüste behängt und so erhielt auch dieser improvisirte Festsaal 
eine farbenreiche geschmackvolle Decoration 1). Gewöhnlich werden 
diese Einrichtungen "gestüele" oder "gesidele" genannt. Wenn die 
Sitze an der Tafel vertheilt waren, steckte jeder Marschall das Banner 
seines Herrn an dem für denselben bestimmten Platze auf, so dass 
jeder der Herren sich leicht zurechtfand 2). 
Das Schwierigste aber war, für eine so grosse Menschenmenge 
Lebensmittel herbeizuschaffen. Ein solches Fest musste daher lange 
vorbereitet, Wild und Schlachtvieh, lrVein und andere Getränke vor- 
her angeschafft werden. Sehr instructiv ist hier die Schilderung, welche 
uns Arnold von Lübeck (Chron. Slavorum, lib. lll, cap. IX) über- 
liefert hat. Er erzählt: „Zu jener Zeit berief Kaiser Friedrich nach 
Mainz den berühmten und gepriesenen Hoftag, welcher zu Pfingsten 
gefeiert  Jahre des iieischgewordenen Wortes 1182 (richtig: 
1184), seiner Regierung aber im sechsunddreissigsten, damit er seinen 
Sohn, den König Heinrich, zum Ritter mache und um seine mächti- 
gen Lenden ihm das Ritterschwert umgürte. Es kamen aber zusam- 
1) Kudr. 38: Gesidele hiez er werken, sö wir hoeren sagen, Des muoste man 
von dem wilden Walde dar tragen. Sehzic tüsent helden den hiez man allen ben- 
ken; 181: Si truogen an gesidele breit unde lanc, Stüele unde tische.  Lohengr. 
G332: Under einen margrainboum, der im gap schat, Dar under riche tepich wur- 
den gestrecket, Dar üf von palmat ein matraz, Kusse und pfülwen vil von lafelle 
dar üf man saz, Ein rückelachen vür die sunne Wart gerecket.  Wilh. v. Wen- 
den 113: Willehalm der jungelinc Von richer koste einen rinc Und ein gestüele 
unervorht Schuof (daz was ouch da geworht Mit meisterlichen Witzen), Da die 
fürsten solten sitzen Und ouch die fürstinne, Graven und graevinne. Nach iege- 
liches werdekeit Was der sitze dä. bereit, Und richiu rückelachen Geheftet zuo 
den dachen, Geriht an allen ende Uz und üz umb die wende; 1278: Üf den bluo- 
menvarwen plan Einen rinc sie hiezen slän, Von spzehen tuochen sidin, Die gä- 
ben manger varwe schin, Glanzen da von golde. Als der süeze Wirt daz wolde, 
Üf des ringes Wenden Wärn an allen enden Rücklachen breit üf gezogen Grözer 
richeit niht betrogen, Dar unde man solte sitzen. Mit schoende und mit Witzen 
Was der sitz al umb bereit, Teppich durch und durch gebreit, Darüf von phul- 
wen lieht gevar Beriht man ein gestüele dar, Erhaben tisch niht ze höch, Sö daz 
was zit, dar üf man zöch Äne varwen tuoch gar wize, Genaejet W01 mit flize. 
2) Lohengr. 6572: Man sagt, daz ein riche gestüele wurde erziugt, Dar inne 
die herren gemeinlich solden ezzen. Künic unt vürsten panier stiez leslich mar- 
schalc, als man inz mit rate hiez. Der keiser nü ze tische was gesezzen; Singl- 
panier ieglich herre nü volgt ze sinem sitze.
        

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