Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998186
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Gastereien bei Hofe. 
im Gebrauche gewesen zu sein, da doch verhältnissmässig nur selten 
die Dichter bei Beschreibung der Gelage ihn ausdrücklich nennen 1). 
Wie der Truchsess und der Küchenmeister über die Bereitung und 
Servirung der Speisen zu wachen hatten, so lag es dem Schenken ob, 
für das Getränk zu sorgen und darauf zu achten, dass bei Tische ein 
Jeder reichlich mit Wein versehen wurde. 
Ob das an den Tafeln der Fürsten verabreichte Getränk immer 
besonders gut war, möchte nach den Aeusserungen des Petrus Ble- 
sensis (Epist. XIV; Opp. ed. Giles I, 49. Oxon. 1847) fraglich erschei- 
nen. Er schreibt: „Ich habe zuweilen gesehen, dass so verdorbener 
Wein (vinum faeculentum) den Grossen vorgesetzt wurde, dass er nur mit 
geschlossenen Augen und zuszunniengebissenen Zähnen, mit Schauder 
und Widerstreben, eher geseiht als getrunken werden musste. Das 
Bier, das am Hofe getrunken wird, ist scheusslich von Geschmack, 
abscheulich anzusehen." "Am Hofe", fährt er fort, "wird der Men- 
schenmenge wegen das Schlachtvieh ohne Unterschied gesund und 
krank verkauft, auch die Fische schonivier Tage alt, und doch min- 
dert die Fäulniss und der Gestank nichts vom Preise. Denn die 
Dienerschaft 
kümmert 
sich 
um 
den 
Tod 
oder 
die 
Krankheit 
der 
glücklichen Tischgäste nicht, wenn sie nur an den Tischen ihrer 
Herren mit besseren Gerichten bedient wird." Diese Beschreibung 
contrastirt allerdings gewaltig mit den Schilderungen der Dichter. 
Ob sie ganz zuverlässig ist, möchte ich bezweifeln: der Briefsteller 
will vor dem Hofleben warnen und trägt deshalb seine Farben etwas 
pastös auf; aber etwas YVahres Wird doch wohl an der Sache sein. 
Uebrigens entschuldigt er sich in Brief 150, er sei bei Abfassung 
jenes Schreibens gefährlich krank gewesen und habe sich darum un- 
gebührlich scharf ausgedrückt. 
Die Dichter schildern uns in der Regel nur die grossen Staats- 
und Gala-Gastereien, wie solche von den Fürsten bei Gelegenheit 
hoher Fest- und Feiertage veranstaltet wurden. An diesen Festtagen 
hielt der Fürst mit Vorliebe Hof (curiam habuit), versammelte seine 
Getreuen, seine Lehnsleute um sich, die Angelegenheiten des Reiches 
zu ordnen, Gesetze zu geben, Streitigkeiten zu schlichten und in 
letzter Instanz schwebende Processe zu entscheiden. In allen Ge- 
schichtsüberlieferungen ünden sich solche Hoftage in grösster Anzahl 
erwähnt. Besonders zu Weihnachten, zu Ostern oder zu Pfingsten 
de vin cuit. 
de vin euit. 
1) Percev. 3106: Et  boueel plain 
Si puissä-je boire demie Ne de more ne 
Rom. 
du Renart 
28510:
        

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