Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998168
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YVürzwein. 
Dann macht man auch einen Aufguss auf Salbei, auf Ysop, Rosen und 
Kirschenjl). 
Ein anderes wohlschmeckendes Getränk war der Würzwein (Pi- 
ment). Nachdem mit Honig oder Zucker der Wein versüsst war, 
that man Gewürz: Muskatnüsse, Ingwer, Nelken etc. hinein 2) und 
genoss so den Trank. Im Perceval wird allerdings (4510) ein „piu- 
ment ü n'ot ne miel ne poivre" erwähnt, der dann eben wohl mit 
Zucker und anderen Würzen versetzt war. Bartholomaeus Anglicus 
(de Glanvilla) spricht im siebzehnten Buche seines Werkes „de pro-_ 
prietatibus rerum" ausführlich über den Wein, Cap. 177 über den 
Weinstock, 180 über Weinberge, 181 über Weintrauben, deren ver- 
schiedene Arten er aufzählt, 183 über getrocknete Trauben (uva 
passa), 184 über den Wein im allgemeinen, 185 über Rothwein, 186 
über jungen Wein, 188 über süssen Wein. Im 187. Oapitel handelt 
er „de vino condito" und sagt da: "Gewürzter Wein wird künstlich 
durch Beimischung von Wohlgerüchen, Gewürzen und Kräutern be- 
reitet, wie der Salbeiwein, der Rosen- und der Nelkenwein. Und dieser 
Wein taugt zum Trinken wie zur Medicin. Die Kraft der Gewürze 
und Kräuter verändert den Wein und giebt ihm eine eigenthümliche 
Stärke, und darum sind solche Weine gesünder und wohlschmecken- 
der, wenn die gesunden Gewürze in angemessener Weise beigemischt 
werden. Die Kraft der Gewürze verhindert nämlich, dass die Weine 
leicht verderben. Und solche Weine erfreuen durch ihren Wohlge- 
schmack den Gaumen, erregen den Appetit durch ihren Duft, stärken 
das Gehirn und den Magen, reinigen auch das Blut und dringen ins 
Blut und in die Glieder, wie Ysaac sagt." 
Der Lütertranc oder Claret 3) ist in ähnlicher Weise bereitet, nur 
dass man die Specereien nicht in dem Getränke liess, sondern das- 
selbe wieder gut abklärte. Wackernagel (a. a. O. 275) citirt eine 
1) Willeh. 326, 20: Wir sulen ouch parriern den win Mit guoter salveien; 
Sus sul wirz leben heien.  Dolopathos p. 08: Cil vallet, ki del" vin servoient; 
Qui trop bel s'en entremetoient, Ysopez, saugiez et claräz, Roseiz, cerisiez et m0- 
rez Donoient zuusi largement, C0111 s'il laleust espessenlent.  Renaus de Montauban 
p. 313, 12: La tierce de lJougIc-zraste, 1a quarte d'ys0pä. 
2) Dolopathos p. 83, 11: Henas prent, gTans par mesure, Därgent de bele 
doreure; Noix muguetes et citoal, Clox de gyrofle, garingal Et autres espices i 
mist.  Flore 1267: En Coupes, en hanas Jargent Aportent cler vin et piument. 
3) Eneit p. 50, 3: WVin unde lütertrank.  Flore 3005: Lütertrane, clärer 
win.  HVF. Trist. 4802: Moraz, klaret und guoten win.  Parz. S09, 29: Möraz, 
sinöpel, cläret.  Floovant p. 31: 01m et vin viez; Cf. HHOH C18 Bord. p. 2.  
Ren. de Mont. p. 313, 11: Ifune fois de cler vin et l'autre de clare.
        

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