Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998154
YVein. 
Möraz. 
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Berthold von Regensburg über die Betrüger, die Wasser für Wein 
verkaufen 1). Aber das Schlimmste war, dass auch der reine unver- 
fälschte Wein wenigstens in vielen Gegenden nicht zu trinken war. 
Bis nach Preussen hinauf traf man Weinberge an; in ganz Nord- 
deutschland wurde viel Wein gebaut und gekeltert 2), aber wie das so 
gewonnene Getränk geschmeckt hat, können wir, denen Naumburger, 
Meissener, Grünberger Wein schon verdächtig erscheint, uns ungefähr 
vorstellen. Und doch war sogar der Wein von Thorn, das vinum 
Torunense, weit und breit berühmt 3). Nun würde man aber den 
Herren gewiss bitter Unrecht thun, wollte man glauben, sie haben 
diesen Weinrein getrunken, ihre Kehle sei so unempfindlich gewesen, 
dass sie diese Säuerlinge unbedenklich zum Getränke benutzen konnten. 
Ich meine, unter den vornehmen Leuten damaliger Zeit war der feine 
Geschmack für etwas Gutes, wohlschmeckendes nicht minder ent- 
wickelt, wie dies heute der Fall ist. Soll wirklich dem jungen Manne 
Weib und Wein Leib und Seele froh machen, dem Greise der Wein die 
Minne ersetzen 4), dann darf es kein saurer sein. Hatte man es also 
mit einem solchen ungeniessbaren Getränk zu thun, so suchte man 
dasselbe nach Kräften zu verbessern; man setzte Honig und Gewürze 
zu, liess ihn über wohlriechenden Kräutern, aromatischen Früchten 
ziehen, kurz man benutzte den leichten, schlechten W ein und braute 
aus demselben, wie wir heute sagen würden, eine Bowle. Und dazu 
konnte selbst ein geringer Landwein, wie wir aus eigner Erfahrung 
wissen, recht wohl verwendet werden. Wilhelm Wackernagel hat 
über die Composition dieser Getränke wohl das Beste mitgetheilt  Die 
gewöhnlichste Bowle wird aus Maulbeeren bereitet und heisst moraz ü). 
1) Pred. I, 16: S6 ist der ein trügener an sinem koufe, der gib wmzzer 
für win. 
2) J. B. Nordhoä, der vormalige Weinbau in Norddeutschland. Münster 1877. 
3) Nordhoif a. a. O. 27.  
4) Apollonius 3404: Ich spriche W01, Win unde WipErfröuwet junges mgunnes 
lip. Ein alter man der trinket dar, Daz er 'sin lützel nhnet war, Daz er werbe 
näch minne: Waer si ein küniginne, Er naem für si ein guoten trunc. Eime frechen 
manne unde junc Dem machet win unde wip Froelich sele unde lip.  
5) nMete, hier, win, lit, lütertranc" in der Ztschr. f. deutsch. Altth. VI, 261. 
6) IParZ. 809, 29: Möraz, sinöpel, c1ä.ret.- Willeh. 448, 7: Möraz, win, einöpel. 
 HvFr. Trist. 907: Man goz in diu trinkvaz lutertrzmnk unde moraz Und 
edelen kiprischen win; 480227110122, klaret und guoten win.  Titur. 61x17: Ez 
si moraz, kippen  Percev. 4510: Piumentü n'0t ne miel ne poivre Et puis mou- 
ret et cler sirop.  Robert le diable: Et boins vins et asauresf?) Et boins pu- 
mens et boins mores.  
Schultz, höf. Leben. I. 20 
        

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