Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998143
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Behandlung des Weines. 
Wuchs im Ueberfluss an gutem 
Weine" (Ann. Colm. maj.). „Im 
Jahre des Herrn 1297 gab es im 
Herbst einen solchenUeberüuss von 
Wein, dass man das leere Fass mit 
einem Pfunde bezahlte, und wenn 
einer hundert leere Fässer gehabt 
hätte, so hätte er für fünfzig leere 
die andern fünfzig voll von Wein 
haben können. Der alte Wein 
wurde umsonst verschenkt, damit 
die geleerten Fässer mit neuem 
Weine gefüllt werden konnten, und 
öffentlich wurde in der Stadt aus- 
gerufen: Guten Wein giebt es um- 
sonst in verschiedenen Kellern" 
(Ellenhardi Argent. Anm). 
Der Wein lagerte im Keller in Tonnen und Fässern l), aus denen 
erforderlichen Falles eine Quantität abgezapft wurde 2). Kleinere 
Fässchen nahm man auf Reisen mit 3). 
Der gute Wein musste alt, klar und stark sein. Auch dass er 
kalt aufgetragen wurde, verlangte die Sitte 4); in südlichen Gegenden 
wurde er deshalb in Schnee abgekühlt 5). Uebrigens tranken die Fran- 
zosen schon damals zuweilen den Wein mit Wasser vermischt G). 
Ein trinkbarer Wein war aber doch damals gewiss noch schwerer 
zu erlangen wie heute. Verstanden die Weinhändler auch nicht die 
Kunst des Fälschens so ausgezeichnet wie jetzt, so klagt doch schon 
1) Ord. Vitalis 1. XIII, e. 16: Bei einer Ueberschwennnung 1134 reisst das 
Wasser mit sich fort „t0nnas falerni plenas aliaque vasa repostoria.  Garin I, 
p. 205: Maint bon tonnel de vin.  Horn et Rimenhild 547: E bon vins precius 
e vielz e entunelet; 1008: Et des vins ensement, des vielz entunelez. 
2)Wi11eh. 326, 23: Wir sulen ouch hteren klingen Den win, vom zapfen 
springen, Als den hirz von ruore. 
3) Guill. de Palerne 3335: Qui 1i portoit a sa maison Un barisel de vin mult 
bon.  Chev. as -ij- espees 3602: Et d'un vin but, ke i1 avoit Vermeil apoite en 
bouchiaus ki elers ert et sades et biaus.  Salomo u.M0r011f 1600: Er stiez aber 
under den gurtel sin Mit silberinen reiifen eyn cleines barellin.  Lohengr. 637: 
Zwei parel schiere wurden braht mit Kypperischen Wine.  Lanc. I, 45575: Ende 
_c01en cIaren wijn In twe butsele, die hier sijn An min gereide gehangen. 
4) Percev. 4460: Vins clers et aspres ne lor iaut; 8846: Li vin furent etfort et eler, 
Blanc et vermel, nouviel et vies; 32630: Et de bon vin -ij- grans bouciaus Froit 
et eleret, norit sor Iie.  Durmars 367: Froit vin et sain et aspre et cler; 2212: 
Si but grans trais del froit vin 01er.  Guill. de DoIe (Romvart p. 586, 25): Vin 
01er et froit de 1a muselle.  Floovant p. 31: Clare et vin viez.  Ren. de Mon- 
tauban p. 304, 12: Bouglerastre et piment et vies vin et clare. 
5) Flamenca 911: Tut van sopar e beu e gent Assatz au neulas et pimen E 
raust fruehas et boinetas, Rosas freschas e violetas E glaz e neu per refretzir 10 
vi que non tolla dormir. 
6) Rom. de Berthe LV, S: Li une 1i aporte ä. mengier d'un poucin Et l'autre 
li retrempe de fresehe eaue en son vin.  Erec 5120: Vin et eve melle li donent.
        

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