Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995170
Theorie 
der 
Fortification. 
Baumeister. 
Die Burg ist also ein mit Festungswerken gesicherter Wohnsitz, in 
Welchem Menschen sammt ihrem Besitze sich zur Zeit der Gefahr 
bergen konnten. 
Je mächtiger der Herr der Burg ist, desto fester und grösser wird 
dieselbe angelegt. Ein Landesfürst besass deshalb grossartigere 
Festungen, die mit aller Kunst damaliger Ingenieurwissenschaft erbaut 
wurden, und in denen auch eine stattliche Besatzung Raum finden 
konnte. Und wie die Fortiiication solcher fürstlichen Burgen ganz 
besonders sorgfältig ausgeführt wurde, so verwendete man auch auf 
den Bau der Wohnräume, in denen der Herr mit den Seinigen und 
mit seinen Rittern und Genossen residirte, grössere Aufmerksamkeit, 
Sßhmückte sie so schön aus, als dies die damaligen Baumeister irgend 
vermochten. 
Diese Art von Burgen, die also mit allem in damaliger Zeit denk- 
baren Comfort und Luxus eingerichtet, mit aller Kunst befestigt waren, 
diese Burgen allein werden wir hier genauer zu untersuchen haben. 
Sie nur werden von den Dichtern, Welche uns die wichtigsten Angaben 
liefern, erwähnt; die Schlösser des ärmeren Adels werden ähnlich, 
wenn auch minder prächtig gebaut gewesen sein. 
Die Befestigungskunst beruhte noch immer auf den Normen, welche 
die rölnischen Baumeister überliefert hatten. Vitruv's Anweisungen 
wurden noch immer befolgt, und des Flavius Vegetius Renatus In- 
stitutiones rei niilitaris galten als das wichtigste Handbuch, aus dein 
ein Feldherr sich über Anlage der Festungen und Belagerung derselben 
unterrichten konnte. Als Gottfried Plantagenet Monasteriolum belagert, 
benutzt er, wie uns Johannes Turonensis (Bouquet, Recueil XII, 528) 
erzählt, eine Kriegslist des Vegetius: „consulit super hoc litteratus 
Consul (Gaufredus) legendoVegetiuin Renatum, qui de re dixit militari". 
Etwas von der Fortiiicationskunst zu verstehen, gehört mit zur Er- 
ziehung eines Fürsten oder eines Ritters, der selbst einmal als Heer- 
führer sich auszeichnen will. Aegidius Romanus (Colonna) widmet 
deshalb in seinem Werke „ de regimine principum" (Venetiis 1498) der 
Lehre von der Befestigung wenigstens ein Capitel (Lib. III. Pars III. 
Cap. 20). Das feste Schloss Gisors wird von Robert de Belleme, 
einem ausgezeichneten Krieger und Feldherrn, 1097 angelegt 1). 
Der Bau selbst wurde von Architekten, Steinnietzmeistern mit 
Beihülfe zahlreicher Arbeiter ausgeführt 2). Als Grifon das Schloss 
1) hOrdericus Vitalis lib. X. C. 5: cuius (Gisortis) positioneln et fäbricmn in- 
geniosus artifex Rodbertus Belesmensis disposuit. Vgl. lib. X. c. 7. 
2) Lambertus Ardensis, Hist. colnitum Ardensiuln et Ghisnensium, c. LVII;
        

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