Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998113
Süd-Weine. 
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nach Basel wurde er 1288 durch einen Kaufmann gebracht 1). Der 
Wein von Philippopel?) und vor allem der Malvasier3) (aus Na- 
poli di Malvasia, Monembasia im Peloponnes) galten gleichfalls als 
besonders delicate Getränke.  Trotz vieler Bemühung ist es mir 
nicht gelungen, die Weinsorten, welche die Dichter anführen 4), alle 
zu bestimmen. Der Pinol oder Pinoil bezeichnet eine bestimmte 
Traubengattung, welche Petrus de- Crescentiis (de agricultura l. IV, c. 4) 
pignolus nennt und die noch heute in Oberitalien unter dem Namen 
Pignola angebaut wird (Hamm 345). Der Muscatellerwein ist be- 
kannt, und der von Ottokar genannte Tribian kommt nach Petrus 
de Crescentiis (l. l.) von einer weissen Traube, die einen sehr guten 
dauerhaften Wein liefert und in der Mark (Ancona) gebaut wird. 
Was jedoch den Mugler, den Terrant, den Vin de Plant, den Ekke 
anbelangt, so weiss ich hier keine Erklärung; vielleicht dass die beab- 
sichtigte neue Ausgabe des Ottokar uns klarere Namen bietet. Dass 
er den Wein von Ancona meint, ist ja klar; ich denke aber, dass der 
Wein von Araz nicht im Arras des Artois, sondern im italienischen 
Arezzo gewachsen ist. Was für eine Weinsorte aber ist der Schaver- 
nac? So weit ich aus den mir zugänglichen Hülfsmitteln (z. B. aus 
Weigands Wtb.) mir ein Ürtheil bilden kann, kommt die Redensart 
"einem einen Schabernack spielen" erst viel später: vor, als der uns 
hier interessirende Wein so genannt wird. Aus der unten angeführten 
Stelle des Apollonius geht ferner hervor, dass Schavernac so gut wie 
Cypern den Ort bezeichnet, wo der Wein gewachsen ist. Diesem Orte 
mag auch die Mode des Schavernac genannten Winterhutes (vgl. 
S. 242, Anm. 3) entlehnt sein; die Etymologie, die im Mhd. Wtb. 
111, 283 vorgeschlagen ist, scheint mir durchaus unzulässig. Aber wo 
ist Schavernac zu suchen? Hier haben alle Bemühungen mich zu 
1) Ann. Colmar. maj. 1288: In octava Epiphanie venit mercator Basileam, 
ducens secum vinum Grecum seu Cypri deditque bicarium illius vini pro quinque 
solidis, quartale pro libra, quod usque ad illud tempus res fuerat inaudita. 
2) Willeh. 448, 7: Kipper und Vinepöpel. 
3) Ottokal- CCCL.  Apollonius 2773: Malvasiam und Blädac. 
4) Apollonius 2770: Dä. gap man den siechen Guoten Win von Kriechen, Pinöl 
von Ciper und Schavernac, Malvasiam und Blädae, Win von Chreidpinel, Turchies 
unde muscate], Möraz unde lütertranc. Reinval douhte in ze krank.  Otto- 
kar COOL: (Im erstürmten Lager der Venezianer) Man vant da zu dem mal 
Mugler und rai(n)va1, Chriechel-Wem und Terrant, Muscatel und vin de Plant, 
Claret und schafermmakch von Genv und Malvasein (Die zwair hant wein Daz hawbt 
machet raz), Pinoil und wein von Araz, Die wein sind gar starkch, Und wein 
von Ankaw der markch, Den wil man fur den pesten han, Ekke und tribian, 
Wein von Wippach Und Paczner man da sach Und ander wein genug.
        

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