Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998106
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Weine. 
Französische 
Cher), Lassay (Mayenne), Chateauroux, Bethisy (Saint Pierre, 
Dep. Oise), Montmorillon (Vienne) und lssoudun verhalten sich 
den" Prahlern gegenüber ganz still. Noch wird der Saint-Brice 
(Haute Vienne) lobend erwähnt. Der englische Priester excommuni- 
cirt endlich das flandrische und englische Bier, wirft die Kerze zu 
Boden und schläft nach derProbe dreiTage undNächte ohne aufzuwachen. 
Der König aber ernennt den Cyp er wein zum König, zum Cardinal 
und Legaten „le bon gentil vin d'Aquilat". Ist das Aquila im ehe- 
maligen Königreich Neapel oder Aguilas in Spanien (Prov. Murcia)? 
Es ist schade, dass der französische Herausgeber sich die Sache so 
leicht gemacht, dies Gedicht nicht sorgfältig commentirt hat; ihm stan- 
den jedenfalls bessere Hülfsmittel zu Gebote, als mir zur Hand Waren. 
Aehnlich wie die Bataille des vins ist die „Desputati0n du Vin et de 
Plane" componirt, die Achille Jubinal (Nouv. Recueil de Contes l, 292) 
herausgegeben hat. Hier treten die Burgunderweine von Auxerre, 
Beaune und Olarnecy (Dep. Nievre) den Bordeauxweinen von Saint- 
Jean-dAngeli, von La Rochelle und von der Gascogne entgegen. Die 
ersten nehmen als Gefährten noch den Wein von Nevers. Dem La 
Rochelle rühmt man nach: „Elle est du lignage Garnache, Qui est 
un des grans vins du monde." Ich finde nur ein La Garnache in dem 
Departement Vendee; ob da heute noch ein guter Wein Wächst, kann 
ich nicht feststellen. Dann tritt der Saint-Pourcain für sich allein 
auf und preist besonders sein „0eil de perdrix". Kampfriohter sind die 
vier „mestre de vin": der griechische Wein, der von Granada (Grenache) 
der Muskatwein und der Cyper.  Von französischen Weinen linde 
ich dann noch gelobt den Auvergner (Auvernois: De 1a borgoise 
d'Orliens 203), den von Nanteuil (Dep. Oise; Du bouchier dyAbbe- 
ville 50) und von Genestet im Dep. Dordogne1). 
Von den Südweinen wurde besonders der cyprische geliebt, 
der schon im zwölften Jahrhundert an den Tafeln der Fürsten ge- 
trunken wurde 2). Später wurde er auch in den Städten ausgeschänkt; 
1) Croisade contre les Albigeois 4028: E1 vis de Genestat; 4444; 4808. 
2) Lamb. Ard. Hist. Com. Ard. et Ghisn. c. LXXXVII: Et vino altero et altem 
Ciprieo et Niseo (von Nieaea?), pigmentato et clariücato hie illic per aream in 
cuppis üuctuante.  Willeh. 448, T: Moräz, win, sinöpel, Kipper und Vinepöpel. 
 HvFr. Trist. 907: Man goz in diu trink vaz Luter trank unde moraz Und ede- 
len kiprischen win.  Herz. Ernst 3517: Der gute win usz kipper laut Vorgos 
sich selten von ir haut.  Titurel 6117: Ez si moraz, kipper.  Marienlieder 
(Zbschr. f. deutsch. Altth. X, 75): Dine gruze wrde mir ein kipersch win.
        

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