Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998056
Getränke. 
Bier. 
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hatte und dem der Oberkoch anzeigt, sobald das Essen bereit ist. 
Auf Befehl des Herrn giebt dann derselbe das Zeichen zum Beginn 
des Mahles, beaufsichtigt die Bedienung und ist, bis die Tafel aufge- 
hoben wird, unausgesetzt thätig. Dann beginnt erst der Schenk 
seines Amtes zu walten, und dass dies nicht minder wichtig war, liegt 
auf der Hand 1).  
Die scharfgewürzten Speisen erregten gewaltig den Durst?) und 
das sollten sie auch thun. Meister Johannes Hadloup (XV, 1; HMS. 
I1, 287) ruft dem Wirthe zu: „mache in, daz si dürste, Salze in vast 
der ingewant terme". Mit Wasser nun aber den Durst zu löschen, 
das hielten schon unsre Vorfahren für despectirlich, nur im äussersten 
Nothfalle entschlossen sie sich dazu; gewöhnlich hatten sie etwas 
Besseres zu trinken. (Vgl. Nil). Z. p. 146, 4  p. 147, 2.) 
Das Bier 3), wie es damals bereitet wurde, hat schwerlich sich 
durch einen guten Geschmack empfohlen 4). Die Erzeugnisse der 
Schloss- und Klosterbrauereien 5) werden wohl unserem einfachen 
Dünnbier ungefähr entsprochen haben, wenn, wie die Dichter erklären, 
ein Becher Wein mehr stärkt als vierundrvierzig Becher Bier ü). "Die 
„Godale"7) (Good ale) scheint eine stärkere Sorte von Bier gewesen 
sein. 
1) Georg N. Schilling, Ueber die Getränke und die Gelage der Deutschen, 
vornehmlich in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts. Züllichau (Progrz) 
1869. (Sehr inhaltslos.)  
2) Doon p. 283: Lors li a on le vin plain -j- pot Importe Et -j- henap parfont 
de iin or esrnere; Et D0 a pris le vin si 1'i a tout Verse, Puis Fa tout ä -j- tret 
en son ventre gete. „E mon Dieu! fait le roy, tu Tas -j- poi taste; Aussi i fussent 
ore tuit li Deable entre."  „E non Dieu, sire roi, qne j'ai niengie sale"; p. 291: 
Apportes moi le vin, Que trop mengei sale au disner hui matin. Que maudit soit 
le queu de son dieu Appolin, Qui feves nie donna au lart et au sarin. 
3) Parz. 201, 6: Wan dä. trinket nienien bier, Si himt Wins und spise vil.  
Ottokar XCVI: Ee si sich lasszen dursten, Daz si sind in den getursten, Daz 
sy trinkchent Wasser oder pir, S0 der wein nicht chumpt gar schir.  Heinr. Hez- 
bolt v. Wizense ll, 2 (HMS. II, 23): Hopfe garten.  Renner 9823: Ez lernen die 
jungen öhslein Pir, niet zihen und wein Pei ir Vätern den alten. 
4) Engelh. 3892: Gegen dem mete sürez hier Hät ir geschenket mime neven. 
5) Chev. as -ij- espees 8306: Et tel eervoise lor donnoient Con li eonuens laiens 
buvoit.  
6) Iwein 818: Wines ein becher vol Der git, daz si in geseit, Mere rede und 
manheit Dan vierzee unde viere Mit wazzer oder mit biere.  Chev. an lyon 590: 
Plus a. paroles 51,11 .j- plain pot De vin, qu' an -j- rnui de cervoise." 
7) Guiart I1, 10546: Ribauz (l'autre partie buvoient Sanz denmnder chambre 
ne sale Pzmni les rues 1a. godale.  Rom. de Berthe XXVII, 11: Volontiers en 
beust, inais trouble ert C0111 godale.
        

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