Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998022
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Dessert. 
auch schon den Schafkäse 1). Butter dagegen scheint nur selten vor- 
gekommen zu sein. Wenn sie auch bekannt wari), so wurde sie 
doch gewiss nicht oft bei Tische gebraucht, sonst würden unsere 
Dichter sie jedenfalls erwähnen. 
Das Dessert bestand aus Obst oder aus Südfrüchten und aller- 
hand gewürzreichen Delicatessen 3). Aepfel und Birnen wurden so 
zum Magenschluss verzehrt, und man pflegte sie sorgfältig vor dem 
Essen zu schälen 4). Weintrauben 5), Quitten, Nüsse 6), auch Him- 
beren 7) wurden herumgereicht und auch Piirsichen kamen auf des 
Reichen Tafel. König Johann ohne Land, der 1216 starb, hatte seinen 
Tod noch beschleunigt, dass er sich in der letzten Nacht mit Pfir- 
sichen und Cider den Magen verdarb S). Geröstete Kastanien wusste 
man auch zu schätzen 9) und dass man sie vor dem Rösten etwas auf- 
zuschneiden pflegte, damit sie in der Gluth nicht zerplatzten, zeigt 
1) Garin I, p. 205: Maint bon tonnel de vin Et maint bacon, froumages de 
berbis. 
2) Bei Belgard in Pommern ist 1125 grosse Fruchtbarkeit. „Nam piscium 
illic, tam ex mari quam ex aquis et lacubus et stagnis, habundantia est incredi- 
bilis, earratamque pro denario recentis aceiperes alecis (Hering), de cuius sapore 
vel crassitudine gulositatis arguerer, si dicerem, quod sentio. Ferinae cervoruln, 
bubalcorum et equulorum agrestium, ursorum, aprorum, porcorum omniumque 
ferarum copia redundat omnis provineia; butirum de armenbo et lac de ovibus 
cum adipe agnorum et arietunl cum habundantia mellis et tritiei cum canapo et 
papavere et cuncti generis legumine, atque si vitem et oleam et üeum haberet, 
terram esse putares repromissionis propter lignorum habundantiam fructiferorum." 
Herbordi Vita Ottonis Babenb. II, 41.  Ann. Stad. 1202: Eodem anno ferias 
pasehae duo viri prope Stadium iuxta villam Herthorpe   cibaria. sua secum de- 
tulerunt cum cuneo butiri, quod in die paschae fuerat consecratum. 
3) Lohengr. 1007: Würze kriuter mangerleie des man mohte erdenken, Da 
mite man ären solt den gast, Diu vürstinne schuof daz des da niht gebrast. Daz 
wart verzert, dar nach hiez man win schenken. 
4) Floovant p. 3: -I- coutel out 0u poig qui moub trenchoit soue Don il se 
desdusoit a une pomme.  Vgl. Diu halbe bir (vdHagen, Ges-Ab. I, 211).  
Ann. Colm. maj. 1278: Regelsbiren 40 uno denario, Gigilspiren 60 uno denario, 
Gruonacher poma ein bugby vol 5 denariis vendebantur; 1283: Pira regalia. 
5) Percev. 26269: Blane pain et crapes de raisin Lor a donne a cel matin. 
6) Wigam. 1466: Nuss, öpfel, pyern, kütin und. ouch kesten, Feygen, mandel, 
maulpeer und tattel die pesten. 
7) Ann. Cohn. maj. 1276: Frage, quae hymper voeatur, et botros eommedi in 
assumptione Virginis beatae (Aug. 15) et eodem die vidi fructum et flores plures 
arbores habere. 
8) Qui noctu illa de fructu Persicorum et novi ciceris potatione nimis reple- 
tus. Matth. Paris. 
9) Troj. 9603: kesten und vigen, mandelkerne.
        

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