Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-998007
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Beigerichte. 
Brot. 
von guter Speise ist der Pfeffer eine heiss servirte Brühe; Salse und 
Agraz dagegen werden nicht gekocht, sondern kalt aufgetragen. Man 
tauchte den Fleischbissen und das Brot, das man nebenher verzehrte, 
in diese Brühen ein. 
Was man sonst noch ass, davon erfahren wir von unsern Dichtern 
gar nichts. Sie sprechen zwar von Beigeriohten 1), aber welcher Art 
dieselben waren, das verschweigen sie. Vielleicht sind auch Gemüse 
auf der Grossen Tafel gekommen, wie dieselben von den armen Leuten 
gegessen wurden; jedenfalls galten diese Art von Gerichten nicht für 
so kostbar, dass man sie einer Erwähnung für werth hielt. Nur von 
einer Art Salat: Portulak und Lattich in Essig, wird uns noch be- 
richtet?) Die Franzosen liebten schon damals die Brunnenkresse als 
Salat zu speisen 3).  
Brot durfte auf keinem Tische fehlen. Zu jedem Gedecke wurde 
Weissbrot schon bei Anordnung der Tafel hingelegt. Es sind dies 
die Simele oder Semele, die unseren Semmeln entsprechen 4). Wenig, 
vielleicht nur in der Form verschieden von ihnen dürften die Wastel 
(afr. gastel) 5) und die Wecken Ü) gewesen sein, die zu gleichem Zwecke 
aufgetragen wurden. Das Brot der Vornehmen war aus Weizenmehl 
gebacken, das durch Beuteln von allen Kleien gereinigt war 7). Die 
armen Leute assen die Kleie in ihrem Schwarzbrot mits), oder buken 
1) Reinfrieci 2844: Wie ieclich bräte süse Und trabt nä. würzen smegge Und 
bigerihte negge Und ander guot geraete, Waz leige man wiltbraete In wirtschafte 
nider slüege, Waz man ze tische trüege Von höchgelopten trahten, Solt ich des 
alles ahten etc. 
2) Peu-z. 551, 20: Purzeln unde 1ätüx1 Gebrochen in den vinaeger. 
3) Du Prestre et d'Alis0n 16 (Meon, 1521101. IV, 427): U11 jor laortoit en ses braz- 
belle Et creson cuilli en fbntame.  Les Crieries de Pal-is 30 (ibid. II, 278): 
Puis apräs, eresson de fontaine, Cerfueil, porpie tout de venue, Puls alares porete 
menue Letues fresches demanois Vez ci bon cresson d'O1'1enois. 
4) Ordericus VitaJis 1. VI, c. 10: Jumentlnn panibus similagineis oneravit.  
Erec 7191: Semeln unde win.  Dietr. Flucht 746: Wize semel unde vische Und 
edel wiltbraete.  S. Oswald 127: Er gap in semelen unde guoten win.  Renaus 
de Montauban p. 254, 12: Mon simle bulete.  Eushache 1e moine 1825: Waufres 
et tarbres üst novieles Et sameles boines et bieles. 
5) Willeh. 136, 6: Er begunde im hertiu wastel gebn.  Parz. 622, 10: Unt 
zwei blankiu wastel. Cf. 423, 21; 551, 6.  Erec 3111: Qui portoient gasteax et 
vin.  Elie de St. Gille 1059:: Et -ij- gastieus tous blans de forment bulete.  
Gaydon p. 300: Si lor aportent blans gastiaus buletez. 
6) Mhd. Wtb. III, 543. 
7) Gui de Bourg. p. 68: le pain bulete.  Guill. d'Orenge V, 3932: I1 tient 
un pain de forment bulete. 
8) Berte p. 65: Et Terlnite li a, de son 1321111 presente Noirs ert et plains de 
loailles, ne 1'013 pas belute.
        

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