Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997988
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Pasteten. 
Beigerichte. 
nahm sie gern kalt als Reiseproviant 1nit 1). Ich habe schon Hühner, 
Reh-, Kaninchen-, Fasanen- und Regenpfeifer-Pasteten oben erwähnt; 
dass man die Pasteten schon damals auch zum Scherze zu verwenden 
wusste, dafür erhalten wir durch eine Stelle im französischen Romane 
von Flore den Beweis 2). Der Dichter erzählt uns, dass bei einem 
Festmahle eine mit lebendigen Vögeln gefüllte Pastete aufgetragen 
wurde. Sobald man das Gebäck zerbrach, flogen dieselben heraus, 
und Falken sowie andere Jagdvögel folgten ihnen nach und jagten 
sie. Es sind also mindestens zwei Abtheilungen in der Pastete ge- 
wesen, da sonst die Raubvögel dem anderen Geflügel sicher schon 
vor Eröffnung der Form den Garaus gemacht hätten. 
Mancherlei Gerichte werden uns nun noch von deutschen Dichtern 
namhaft gemacht, die jedenfalls zu den Leckerbissen gezählt wurden, 
über deren Zusammensetzung wir jedoch nicht unterrichtet sind. Nach 
den Namen zu urtheilen, ist die Mehrzahl dieser Speisen (Gramangir 3), 
Flementschier, französischen Ürsprunges. Die Bezeichnung Dyamarga- 
riton deutet auf Griechenland hin, aber, wie gesagt, weder von den 
genannten Gerichten, noch den anderen, die im Titurel erwähnt wer- 
den 4), können wir uns eine bestimmte Vorstellung machen. Das 
Recept zum Mensier blä. 5) oder Blamensier (blanc manger) ist uns da- 
gegen in einem Kochbuche des vierzehnten Jahrhunderts (Ein Puch 
von guter Speise, hsg. v. Birlinger. Stuttg. 1844) mehrfach, N. 3. 76. 
'77, erhalten. Das kürzeste derselben (76) lautet: "Der wölle machen 
ein blamenser, der neme dicke mandelmilch und hüener brüste ge- 
ceyset und tu das in die mandelmilch und rüere daz mit ris mele und 
smaltz genuoc und zuckers tu genuoc dar zu. Daz ist ein blamenser." 
1) Doon p. 173: Wandri mist entre -ij- un grandisnle paste Sus une blanche 
nape, puis a. vin apporte.  Erec 5106: Lors a Guiurez un cofire ouert S'en fait 
fors traire deus pastes. 
2) Flore 3188: Et pastes de vis oiseles. Et quant il ces pastes brisoient, Li 
oiselet par tot voloient. Adont veissiez vous faucons Et ostoirs et esmerillons Et 
moult grant plente de mousques Voler apres les oiseles. 
3) Cröne 7649: Man bereitet dar ein grzunangir W01 näeh des mannes gir: 
Dez sprichet ein sölch imbiz, Dä guoter ezzen grözer vliz Von dem Wirte an ge- 
leit was, Dez niht blaete noch enjas Umb daz herze, der ez az. Noch anders kei- 
nen boesen wäz Immer gap von dem munde, Daz iemen merken kunde, Swie er 
sin empfunde. 
4) Tit. 599: Prodischolar von gente, der spise gie maniger irre, Flemenb 
schier, clarmente, zwiserat in was ein lange virre, Dyamargariton daz 
selbe ich wene, Pliris, zinzebraten, Die waren eteslichen da. selzene. 
5) Renner 9772: Manie gepaur Wirt sehimmelgra, Der selten hat gezzen 1mm- 
sier bla.
        

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