Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997923
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Zeit 
Abendessens. 
einen alten, der Ruhe bedürftigen Herrn, und so mögen auch andere 
Stellen zu erklären sein 1). Wegmüde Ritter, welche die Nacht hindurch 
gereist sind, haben gleichfalls eine Entschuldigung, wenn sie gleich 
nach eingenommenem Morgenmahl in dem Hause des Gastfreundes 
das Bett aufsuchen und bis zum Abendessen schlafeni); aber junge 
kräftige Leute werden schwerlich die Zeit verschlafen haben. Zwi- 
schen dem Frühmahl und dem Abendessen lag ja die einzige Zeit, in 
der sie thätig sein konnten, und ohne Arbeit sind die Fürsten und 
ihre Ritter auch damals nicht gewesen. 
Das Abendessen 3) wurde gegen drei 4) oder gegen sechs 5) Uhr 
Nachmittags oder später eingenommen 6). Es scheint, als ob man diese 
Mahlzeit als die Wichtigste betrachtete. Man blieb da lange bei Tische 
sitzen, trank noch nach dem Dessert ein Glas Wein und unterhielt 
sich ein wenig; dann ging Jedermann ins Bett 7). Wem aber ein 
Liebesabenteuer noch in Aussicht stand, der durfte nicht zu viel des 
Guten thun und nur massig zulangen 3). 
Dass eine Suppe den compacteren Gerichten voranging, die 
1) Engelh. 2950: Und dö der künic slafen sich Geleite nach dem tische. 
2) Percev. 16578: apries le disner    (16582) se coucierent par Ior delis Et 
eomencierent a dormir Jusqu" al vespre sans nul espir. Endroit vespre sont resvellie, 
Le sonper ont aparellier. 
3) Gregor. 2710: Dö was dem visehenden man Sin abentezzen bereit.  Wilh. 
v. Wenden 6798: Ez was nü volleclichen zit Als man daz äbentezzen git. 
4) Lanceloet III, 10: In tsinxenen avonde, alst none was, Ende die messe was 
gedaen, Ende men eten soude gaen. 
5) Wilh. v. Wenden 2221: Ez was wol unib die vesperzit, Daz abentezzen man 
imiachte.  Dagegen 7445: Als man noch ze höchzit phlit, Ir ezzen wert üfvesper 
zit.  Alix. 288, 12: Si com li jors se prist 0 le vespre meller, III" lampes d'or 
fait li rois alumer; Puis fait soner  gresle por Piave demander, Si que par toute 
l'0s sunt asis au souper. 
6) Willi. v. Wenden 7 203: Ez was nü komen üf die naht. Gröze kerzen wur- 
den braht, Da. die werden sazen, Als sie üf den äibent gazen.  Meler. 5326: Ez 
was gen naht, wol ezzens zit. Man riht die tiseh. 
7) Durmars 12625: Tantosb sunt al soper assiz, Et apres mangier font les liz 
Li vallet et li esquiier. Lors se cochent li chevalier.  Gaydon p. 271: Soupe 
avoient, si aloient couchier. Cf. Otinel p. 10.  Meler. 1277: Dö man gezzen het ze 
naht, Nu heben si sich des bedaht, Daz si ruowe wolden han; 6383: Dö man des 
ezzens verpllac, Dö het ein ende ouch der tac.  Croisade contre les Albigeois 
1156: E venc a Carcassona tan com poc cavalguer E si intret lains can levo de 
soper Li ome de 1a vila ques volian coicher. 
S) Wolfdietrich weigert sich beim Heiden Belian, dessen Tochter er in der 
Nacht beschlafen muss, viel zu essen, denn (Gr. Wolfdietr. 1133)? nMit ßSSen und 
mit trinken sol sich überladen kein man, Der mit frowen und mit federspil kurze 
wile welle hau."
        

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