Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997914
Mahlzeiten. 
Zeit 
des ersten Mahles. 
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nommen wurde 1). Andere Schriftsteller melden sogar, dass man erst 
um die Mittagszeit speiste 2). Es fragt sich, ob man damals allgemein 
schon eine bestimmte Stunde festhielt, 0b nicht in den verschiedenen 
Gegenden und Ländern auch in dieser Hinsicht verschiedene Sitten 
herrschten; jedenfalls aber haben die Ritter und ihre Damen, wenn 
sie so spät erst tafelten, vorher einen leichten Imbiss zu sich genom- 
men, der natürlich dann überflüssig wurde, wenn sie an1 frühen 
Morgen schon eine tüchtige Mahlzeit eingenommen hatten. 
S0 entstanden allmälig die Frühstücke, die dem Magen gestatteten, 
auf das substantielle Mahl länger zu warten 3). Das Morgenessen ist 
bald einfacher, bald opulenter. Im Felde begnügte man sich wohl 
mit einem Bissen Brot und einem Schluck Wein 4), daheim wurde 
eine tüchtige Fleischspeise doch gewünscht. Weissbrot, ein Schul- 
terstück von einem Wildschwein, kleine Vögel gebraten und in 
Sauce, dazu Wein und Glühwein, das ist das Menu eines Morgen- 
mahles, welches uns der Dichter des Aiol beschreibt 5). Nach dem 
Essen ruhte man eine Weile aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass 
dies allgemein Sitte war; es ist doch zu unwahrscheinlich, dass 
die Leute, kurz nachdem sie vom Bette aufgestanden, sogleich wieder 
des Schlafes bedurft hätten. Philippe Mousques"), der von Karl dem 
Grossen erzählt, dass er nach Tische zwei Stunden geschlafen und 
sich dazu nackt ausgezogen habe, denkt sich den Kaiser wohl als 
1) Fulco von Anjou belagert 1098 die Stadt Ballon (Balaonem) und wird durch 
einen Ausfall überrascht ndum comes et exercitus in tentoriis suis pranderent   
videlicet circa tertiam". Order. Vitalis 1. X, c. 7.  Chron. des ducs de Normandie 
II, 7722: Ä Avranches fu 111a disnee, Jim esteit bien tierce lmssee. 
2) Phil. Mousques 2980: Et en estä pour son däduit Si mangeoit (Charlenmgne) 
 j -p0i de bon fruit, Apries mangier, a1 miedi, Et buvoit une fois ausi; Et lors tous 
nus si se coneoit Dormir  eures, puis levoit.  Floripas sagt zu ihrem Vater 
(Elieralbraxs p. 83): Si or faites justice, anniraus, niee ber, Vous ne mangeries mais, 
si ert midi passes.  Huon de Bord. p. 201: Desdiu eele eure miedis fu sonnes 
Adont shsisent 12m dedans au disner.  Chast. de Couci 495]: En pensant en son 
lit ainsy Fu il pres desque 2m miedy. QuEbins Celle nuit ne reposa, D'un et d'el 
tout ades pensa, Lors se leva et n disne. 
3) Les sires de Gavres. d dijb: Quant ce vint le bien matin, Ilz oyrent 1a 
messe, sy prindrent vne souppe en vin.  „S0ppe in wine" essen die Vläminge vor 
der Schlacht von Courtray (Lod. van Velthem l. IV, c. 39). 
4) Lohengr. 1861: Die herren n1an dö an dem Rin Des morgens spisen hlez 
nlit bröt unt mit win. 
5) Aiol 8608: A la plus haute table ont Elie mene. Tout premier li aporten 
 ij -si1nbres buletes Et une grant espaule d'un parcreu sangler Et menus oiselons 
roistis et enpevres Et uin asses encontre et pument et clare. 
6) S. Anm. 2.
        

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