Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997860
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Kaufleute. 
Erlaubniss 
Handel 
zu treiben. 
unsrer Zeit war nur der Ritter frei 1), der Kaufmann musste zahlen 2); 
bald klagen die Dichter auch darüber, dass selbst vom Ritter ein Zoll 
verlangt wird 3). Den Fährmann (verge), der einen über den Fluss 
setzte, musste natürlich Ritter wie Kaufmann bezahlen 4). Ein Horn 
hing an einem Baumaste; das blies man und rief so den Fährmann 
herbei 
Aber schlimm stand es für den Kaufmann, wenn sein Landesherr mit 
dem Beherrscher des Territoriums, Welches er zu durchreisen hatte, im 
Kriege begriffen war. Dann werden an den unschuldigen Kaufleuten 
oft die grausamsten Repressalien verübt. S0 fing Raimund, Graf von 
Saint-Gilles, der mit Richard von Poitiers, dem späteren König Richard 
Löwenherz, Fehde hatte, 1188 einige Kaufleute von Poitiers und liess 
sie, wie Benedict von Peterborough (ed. W. Stubbs II, 34) erzählt, 
blenden und entmannen (privavit oculis et testiculis). 
Langte der Kaufmann mit seinen Waaren in einer Stadt an, so 
erbat er sich vom Landesherrn oder dessen Vertreter Schutz und 
Sicherheit für sich und seine Habe und erkaufte diese Zusage durch 
ein ansehnliches Geschenk ß). Als Ortnit auf seiner Brautfahrt sich 
für einen Kaufmann ausgiebt und dem Hafen von Suders naht, wird 
1) Lanc. I, 37296: Dits geen rridder, sijt seker das, Maer hi maekt hem ridder 
daar bi, Dat hi wilt wesen tolvri.  Willeh. 112, 29: Er sprach: „ich pin wol 
zolles vri. Mir get hie last noch sonme bi: Ich pin ein riter, als ir seht."  Biter. 
854: Er sprach: ich fliere kein guoty, Da von man müte süle gern; 861: Wir sin 
ritter als si sint. 
2) Parz. 531, 12: Si sprach: nfüert ir kramgewant In mime lande veile? Wer 
gap n1ir ze teile Einen arzet unde eins krames pflege? Hüet iuch vor zolle üfem 
Wege: Eteslich min zolneere Iuch sol machen fröuden leere"; 544, 23: Herre, ich 
wart nie kaufman, lr megt mich zolles W01 erlan. 
3) Demantin 6691: des ist niht recht, Daz ummer rittere unde knecht Ge- 
wapent plegen zolen geben.  Der König von Salerne Meniadus nimmt keinen 
Zoll (Cleomades 6530): Chevalier, clerc ne marcheant N'i paioient hors nul paiage; 
aber jeder muss erzählen, woher er kommt und was es neues giebt. 
4) Parz. 535, 25 ff.  Nib. Z. p. 237, 1: ,Nu hol mich hie, verge" sprach 
der (legen guot, „Sö gip ich dir ze miete von golde ein boue vil 1'613"; 21 Der 
verge was sö riche, daz im niht dienen zam: Da von er lön vil selten von ielnen 
da genam; Ouch waren sine knehte vil höhe gemuot; 4: Vil höch an sinem SWBYlIG 
er den bouc dö böt. 
5) Flore 3515: SWer dar kam unde wolte, Daz in der schifman überholte, 
Der nam ein horn in sine hant, Daz er da hangende vant An eines boumes aste. 
Daz blies er alsö vaste, Unz ez der sehifman vernam. 
6) Wie Wate als Kaufmann verkleidet zu Hagen kommt, lüitlleli GI ihn um 
„gedinge", um einen Vertrag (Kudr. 295). Hagen giebt ihm Geleite und Frieden 
bei Todesstrafe (296) und erhält dafür ein Geschenk, das 1000 Mark (40,U00 RM.) 
werth ist (297).
        

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