Pelzwerk.
273
haben 1). Ein sehr kostbares, aber nur von den deutschen Dichtern
erwähntes Pelzwerk ist der Schinat. „Bestellet und gebreemet Mit
schinate was daz cleit, Den man uz einer hiute sneit, Die truoc ein
visch von Wilder artw). Die Fischhaut, die aus Irland gebracht wird
und die im Wigalois zur Verzierung eines Hermelinmantels verwen-
det wird 3), bedeutet wohl ganz dasselbe. Nach Konrad von Würz-
burg lebte der merkwürdige Fisch in einem Paradiesesstrom; sein
Pelz ist bald blau mit goldenen Flecken 4), bald dunkelbraun 5). Ich
halte den Schinat für Robbenpelz; die blaue Farbe dürfte vom Dichter
wohl erfunden sein, um das Pelzwerk noch seltener erscheinen zu
lassen. In dem Worte schinat haben wir sicher ein corrumpirtes
Fremdwort vor uns; ich möchte etwa chien oder etwas ähnliches für
den Stamm halten. Wie von viole der veilchenfarbene Stoff den
Namen violete, mhd. violat, erhält, so könnte auch dies Wort ent-
standen sein. Oder sollte die blaue Farbe doch charakteristisch ge-
wesen sein und cyaneus (ital. ciana, Kornblume), darin stecken?
Die werthvollen Seidenstoffe, die Specereien und Gewürze wurden
aus dem Orient importirt; aus dem Norden brachte man die feinen
Pelzvverke; in Frankreich 6) und den Niederlanden 7) blühte die Fabri-
cation der Wollenwaaren. Ein lebhafter Zwischenhandel vermittelte
1) Li biaus desconneus 1515: La pene (Pedres fu bendee D'ermine, de gris
geronne.
2) Troj. 2982.
3) Wigal. p. 25, 24: Jä, wärn gesniten dar in Von einer hiute vischin (Der
her daz was weitin, Bräht von Iberne), Diu inwninne und die sterne Die zierten
die veder harte W01.
4) Ti-oj. 20240: Ez rinnet üz dem paradis Ein wazzer lüter unde frisch, Dez
biuwet einer hande visch, Der hät an im ein edel hüt. Mit sinem glanzen velle
trüt Gestenimet stuont diu riche wät. Sö wunneclichen schinät Getruoc nie ritter
noch gebür. Noch bläwer damie ein fin läsür Schein dä. ein varwe reine Und gliz-
zen tropfen cleine Von golde üz sinem velde blä, Die wären von im selber dä
Gewahsen an der hiute Und heten- si niht liute Getröufet noch gemachet drin.
Mit schinäte vischin Stuont daz gewant gebraemet.
5) Troj. 32741: Von sehinäte lühte, Der swarz geverwet dühte, Reht als ein
zitic brämber.
6) Hugonis Falcandi Historie Sieiliae (Del Re, Cronisti Sincroni I, 283): In
(Palermo) spatium quoque Anialütanorum continet Vieum, peregrinarum
quidem merciuln copia Ioeupletem, in quo vestes diversi eoloris ae pretii, tam
sericae, quem de Gallico contextae vellere, emptoribus exponuntur. Saba.
Malaspina, I-Iist, 1, VII, c. XI (Del Re, Cron. Sincr. H, 329): (Exuvias donant)
camas de lana, quam ovis anglicana eongesserat Galliaque tessuerat.
7) De 1a bourse pleine des sens (Meon, fabl. III, 41) 87: düsscarlate tainte en
graine, De bon pers et de bonne laine De Bruges et de Saint-Omer.
Sehultz, höf. Leben. I. 18