Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997830
Pelzwerk. 
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haben 1). Ein sehr kostbares, aber nur von den deutschen Dichtern 
erwähntes Pelzwerk ist der Schinat. „Bestellet und gebreemet Mit 
schinate was daz cleit, Den man uz einer hiute sneit, Die truoc ein 
visch von Wilder artw). Die Fischhaut, die aus Irland gebracht wird 
und die im Wigalois zur Verzierung eines Hermelinmantels verwen- 
det wird 3), bedeutet wohl ganz dasselbe. Nach Konrad von Würz- 
burg lebte der merkwürdige Fisch in einem Paradiesesstrom; sein 
Pelz ist bald blau mit goldenen Flecken 4), bald dunkelbraun 5). Ich 
halte den Schinat für Robbenpelz; die blaue Farbe dürfte vom Dichter 
wohl erfunden sein, um das Pelzwerk noch seltener erscheinen zu 
lassen. In dem Worte schinat haben wir sicher ein corrumpirtes 
Fremdwort vor uns; ich möchte etwa chien oder etwas ähnliches für 
den Stamm halten. Wie von viole der veilchenfarbene Stoff den 
Namen violete, mhd. violat, erhält, so könnte auch dies Wort ent- 
standen sein. Oder sollte die blaue Farbe doch charakteristisch ge- 
wesen sein und cyaneus (ital. ciana, Kornblume), darin stecken? 
Die werthvollen Seidenstoffe, die Specereien und Gewürze wurden 
aus dem Orient importirt; aus dem Norden brachte man die feinen 
Pelzvverke; in Frankreich 6) und den Niederlanden 7) blühte die Fabri- 
cation der Wollenwaaren. Ein lebhafter Zwischenhandel vermittelte 
1) Li biaus desconneus 1515: La pene (Pedres fu bendee D'ermine, de gris 
geronne. 
2) Troj. 2982. 
3) Wigal. p. 25, 24: Jä, wärn gesniten dar in Von einer hiute vischin (Der 
her daz was weitin, Bräht von Iberne), Diu inwninne und die sterne Die zierten 
die veder harte W01. 
4) Ti-oj. 20240: Ez rinnet üz dem paradis Ein wazzer lüter unde frisch, Dez 
biuwet einer hande visch, Der hät an im ein edel hüt. Mit sinem glanzen velle 
trüt Gestenimet stuont diu riche wät. Sö wunneclichen schinät Getruoc nie ritter 
noch gebür. Noch bläwer damie ein fin läsür Schein dä. ein varwe reine Und gliz- 
zen tropfen cleine Von golde üz sinem velde blä, Die wären von im selber dä 
Gewahsen an der hiute Und heten- si niht liute Getröufet noch gemachet drin. 
Mit schinäte vischin Stuont daz gewant gebraemet. 
5) Troj. 32741: Von sehinäte lühte, Der swarz geverwet dühte, Reht als ein 
zitic brämber.  
6) Hugonis Falcandi Historie Sieiliae (Del Re, Cronisti Sincroni I, 283): In 
(Palermo) spatium quoque    Anialütanorum continet Vieum, peregrinarum 
quidem merciuln copia Ioeupletem, in quo vestes diversi eoloris ae pretii, tam 
sericae, quem de Gallico contextae vellere, emptoribus exponuntur.  Saba. 
Malaspina, I-Iist, 1, VII, c. XI (Del Re, Cron. Sincr. H, 329): (Exuvias donant) 
camas de lana, quam ovis anglicana eongesserat Galliaque tessuerat. 
7) De 1a bourse pleine des sens (Meon, fabl. III, 41) 87: düsscarlate tainte en 
graine, De bon pers et de bonne laine De Bruges et de Saint-Omer. 
Sehultz, höf. Leben. I. 18
        

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