Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997582
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Wichtigkeit der 
Siegelbilder. 
kann: die Siegel. Sind dieselben auch nicht streng gleichzeitig mit 
der Urkunde, zu deren Beglaubigung sie gebraucht werden, so sind 
sie doch für die siegelnde Person bestimmt angefertigt, und die C0- 
stüme, die wir auf den Personensiegeln antreifeii, sind als unbedingt 
für die bestimmte Zeit beweisend anzusehen. Die Siegelbilder sind 
meines Erachtens für die Costümgeschichte von hervorragender Be- 
deutung; die verhältnissmässig grosse Anzahl der erhaltenen Sigille 
wird auch über manche Schwierigkeit hinweghelfen, die der ebenfalls 
nur geringe Massstab der Darstellung immer noch bereitet. Aber 
durch Vergleichung vieler Siegel wird sich manches noch aufklären 
lassen; man wird feststellen, nicht allein wann neue Kleiderforinen 
auftreten, sondern auch deren räumliche Verbreitung verfolgen können. 
Leider stand mir ein so geringes Material zu Gebote, dass ich wenig 
Nutzen erzielen konnte, aber meines Dafürhaltens kann eine wissen- 
schaftlich befriedigende Lösung der Cestümfragen des Mittelalters 
allein auf diesem Wege erreicht werden. 
Mancherlei wird trotzdem noch unklar bleiben. Ueber die Unter- 
kleider der Damen werden uns auch die Siegel keinen Aufschluss 
geben, da die Damen ja immer e11 grande toilette, nicht im Neglige 
dargestellt werden. Zudem ändern sich ja mit dem Kleiderschnitt 
auch die Ausdrücke für die Toilettenstücke und es fragt sich, 0b die 
Dichter selbst so recht über die Unterschiede der mannigfachen von 
ihnen erwähnten Kleidungsstücke im Klaren waren. Für ihre Zeit 
genügte es, den Namen eines Gewandes zu nennen, dann wusste ein 
jeder mehr oder weniger genau, um was es sich handelte, und sie 
waren ausführlichen Beschreibungen dann überhoben. WVie wir aber 
heute kaum mit voller Bestimmtheit alle die ihrer Zeit den Schneide- 
rinnen und Modistinnen geläufigen Bezeichnungen für Toilettenstücke 
definiren können, wenn wir nicht das Material, das uns Mode- und 
Muster-Zeitungen liefern, zur Hand haben, so ist dies für die Zeit der 
Minnesinger ganz ähnlich bestellt, nur dass uns da jene unerlässlichen 
Rathgeber über die Geheimnisse der modischen Toilette völlig fehlen. 
Und Wie wir schwerlich je über diese Flragen ganz ins Reine kommen 
werden, so wird es auch meines Erachtens unmöglich sein, zu be- 
stimmen, wie die Stoffe, von denen die Dichter uns erzählen, ziusge- 
sehen, wie sie sich von einander unterschieden haben, welchem der 
vorhandenen mittelalterlichen Gewebe sie entsprechen. 
In den Beschreibungen, welche die Dichter von den prächtigen 
Toiletten ihrer Helden und Heldinnen entwerfen, werden uns nämlich 
die Namen von einer Menge zum Theil sehr kostbarer Stoffe ge-
        

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