Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997569
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Darstellungen von Costümen. 
Die Kleidung des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts war 
vorzüglich geeignet, die Schönheit des Wuchses zur Geltung zu 
bringen; die prall anliegenden Unterkleider zeigen die Formen der 
Gestalt in voller Schärfe, dabei sind die Gewänder auch Wieder vom 
Gürtel abwärts weit und bieten in ihrem Faltenwurfe schöne malerische 
Motive. Die Kunst jener Zeit hat, wie uns die Denkmäler zeigen, 
diese Vortheile wohl zu benutzen verstanden; die Gewandstatuen des 
dreizehnten Jahrhunderts gehören, wie bekannt, zu den ausgezeich- 
netsten Leistungen der mittelalterlichen Plastik. Sie können uns da- 
her am besten die wahrhaft vornehme Erscheinung der damaligen 
höiischen Gesellschaft zeigen. Wenn wir dadurch aber nun auch in 
den Stand gesetzt sind, uns ein Urtheil "über das Aussehen jener 
Herren und Damen zu bilden, so reichen diese plastischen Werke 
doch bei weitem nicht aus, alle die Einzelheiten, die, wie wir ge- 
sehen haben, die Dichter und Historiker über die Tracht jener Zeit 
mittheilen, zu erläutern und zu erklären. Abgesehen davon, dass 
die Bildhauer nicht jede Modelaune wiedergeben, ist es auch 
immerhin nicht ohne Schwierigkeit, präcis die Entstehungszeit der- 
selben festzustellen. Viele Grabdenkrnäler sind z. B. erst lange nach 
dem Tode des Dargestellten ausgeführt worden und man muss sich 
wohl hüten, aus dem Todesjahr zu schliessen, dass das Costüm der 
Grabiigur derselben Zeit angehöre. In der Vincenzkirche zu Breslau 
liegt der Herzog Heinrich Il. begraben, der 1241 in der Schlacht gegen 
die Tataren fiel; das Costüm der Statue gehört aber unzweifelhaft 
dem 14. Jahrhundert an. Dass es da leicht ist, Versehen zu begehen, 
lässt sich wohl nicht in Abrede stellen. Wenn z. B. Paul Lacroix 
(Vie militaire, Fig. 4) die Abbildung einer Statue Karls des Grossen 
mittheilt, die ehedem in der Kirche Saint-Julien-le-Pauvre zu Paris 
gestanden hat, und behauptet, dieselbe rühre aus dem elften oder 
zwölften Jahrhundert her, so hätte ihn schon die Plattenrüstung 
der Beine überzeugen sollen, dass die Arbeit erst im fünfzehnten 
Jahrhundert entstanden sein kann. Ebenso dürfte es doch fraglich 
sein, ob die sitzenden Gestalten Kaiser Otto des Grossen und seiner 
Gemahlin Editha im Dome zu Magdeburg, die vor dem dreizehnten J ahr- 
hundert nicht gearbeitet sind, als Costümproben für die Ottonenzeit 
zu verwenden sind, wie dies v. Hefner-Alteneck (Trachten ClBS Cllristl. 
MA. l, T. '73) versucht. Die genaue Datirung des betreffenden Monu- 
mentes ist hier doch immer in erster Linie zu erstreben, und dass dies 
nicht so leicht zu erreichen ist, liegt auf der Hand. Dieselben Schwie- 
rigkeiten bietet die Benutzung der Miniaturen (Wandgemälde kom-
        

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