Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997559
Ueberhandnehmender 
Kleiderluxus. 
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Auch die Bauermädchen putzten sich auf das schönste heraus. Ich 
habe bei Besprechung der Frauentrachten schon der Kleider der 
Bäuerinnen gedacht und bemerke hier nur noch, dass dieselben beim 
Tanze einen Spiegel an einer Schnur trugen, und dass diese Spiegel 
oft in Elfenbeinschnitzwerk gefasst waren 1). Dem Schatze des Nit- 
hart, der schönen Vriderün, hat ein Bauernbursche ihren Spiegel ent- 
wendet, und darüber klagt der Dichter wiederholt in seinen Liedern. 
Der Schürliz der Bauernfrauen soll eine mit Schafpelz gefütterte 
Jacke gewesen sein 2). 
S0 verbreitete sich der Kleiderluxus mehr und mehr, und schon 
gegen Ende des zwölften Jahrhunderts klagt Gauiredus Vosiensis b) 
über die unerhörte Prunksucht, die alle Stände gleichmässig ergriffen 
hatte; die Kleider und das Pelzwerk sind um das Doppelte im Preise 
gestiegen, aber der gemeinste Mann zieht sich besser an als früher 
mächtige Barone. Die konnten freilich damals täglich grosse Gaste- 
reien und Feste geben, an denen sich die Bürger erfreuten und die 
Armen ihr Theil erhielten; heute suchen sie selbst heimathlos fremde 
Gastfreundschaft 
auf. 
anders niht wan isenin gewant; 10: Die daheimc soltcn Ipilegen lauwcs mit dem 
lafluoge, Die sach ich ze Wiene koufcn cursit (vdHagen: currit) unde platen; 
LXXII, 3 (HMS. III, 236): Den isenbühel er uf sich bant, Zwene blechhantschuohe 
streich er an die haut; XXXVI, 5 (ib. III, 217): Den hiubelhut den het er uf 
gebunden. 
1) Nith. XIV, 4 (ib. III, 200): Mezzel treib an einer snuor ein spiegelin; XCV, 
9 (ib. III, 260): Ir spiegel, den Vriderune vornen an ir treit; XXIV, 11 (ib. III, 
209): Er het ir ouch genomen in schimpf ein tokken wiegel, Daz hzet" si wol 
verklaget: mer den Spiegel, Der was von helfenbeine, Ergmben wzeho und kleine; 
12: Des Spiegels snuor diu kam dort her von Berne, Ez was ein wacher borte, 
Oben an dem orte Stuont ein tier geworllt von rotem golde. 
2) Der Taler II, 3 (HMS. II, 147): So hankte ich ir ein schürliz an. 
3) Bouquet, Recueil XII, p. 450: Barones tempore larisco munifici lzurgi- 
tores vilibus utebantur pannis adeo, ut Eustorgius episcopils {LßlllOVlCllllllS 1' 1137), 
vicecomes Leinovicensis et vicecomes Coinbornensis incedendo zu-ietinis am vul- 
pinis pellibus aliquoties uterentur: quas post illos mediocres cleferre erubescunt    
Crines omnes arlolescentes, longa in ocreis vel czbligis rostra; ocreas olim pznuci 
et nobiles, modo plures et plebei gestant. Comas raclebant barbasque longus 1m- 
bebant, nunc eas rustici et garsones raclunt    Et ne rusticorum vestium Imbi- 
tus diversitate taedium incutiatur leetori, silentio tegatur. Verumtanlen panni vel 
pelliciae nostrae in hoc tempore solito carius venduntur ime duplici pretio. Pre- 
Ciosioribus, ut dictum est, vestibus utuntur lenones, quam olim inclyti barones; 
qui tamen heroes, quorum parentes quotidiana celebrabant convivia, unde civibus 
procedebat refectio plurima auf, pauperibus eleemosyna largissima: moclo assidui 
hospites aliena. saepe vagi expetunt hospitia.
        

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