Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995111
Einleitung. 
Wenn wir die Werke der Poesie, der bildenden Kunst, welche 
im Laufe des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts geschaffen wurden, 
betrachten, sind wir nur zu leicht geneigt, zu glauben, dass zumal die 
Gesellschaftsklasse dieser Zeit, in welcher oder für welche jene Kunst- 
werke entstanden, also die höiischen Kreise, von einem dem Idealen 
zustrebenden Geiste erfüllt waren, dass die hohen Gedanken, welchen 
die Dichter in ihren Werken Worte verliehen, in den Zeitgenossen 
wirklich lebendig waren, dass das Streben nach dem Erhabenen, dem 
Edlen, dem Schönen, welches in den Kunstwerken so herrlich sich 
geltend machte, auch dem ganzen Leben jener Gesellschaft einen eigen- 
thümlich idealen, allem Gemeinen, allem Rohen abgewandten Charakter 
verlieh. Und doch ist diese Annahme keineswegs zutreffend: ein Volk, 
eine Zeitepoche kann die ausgezeichnetsten Kunstwerke hervorbringen 
und doch auf einer ziemlich tiefen Stufe der Sittlichkeit stehen. Ja 
es scheint fast, dass die höchste Kunstblüthe bei einem Volke erst 
dann eintritt, wenn dasselbe schon von seiner dereinstigen Höhe 
moralischer Tüchtigkeit herabgestiegen ist, dass gerade in einem schon 
einigermassen sittlich untergrabenen Zeitalter die Kunst den Boden 
findet, auf welchem sie am allerbesten gedeiht, ihre schönsten und 
reifsten Früchte zeitigt. Für die Zeit der italienischen Renaissance ist 
der Beweis der Wahrheit dieser Behauptung wohl schon geliefert; für 
andere grosse Kunstepochen würde sich dieselbe ebenso nicht schwer 
(larthun lassen. 
S0 ist denn auch die ritterliche Gesellschaft der 
hier ausschliesslich zu beschäftigen hat, nicht mehr 
Snhultz, höf. Leben. I. 
Zeit, die uns 
auf der Höhe 
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