Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997517
Kleider der 
Bauern. 
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Waifen zu tragen, sich wie die Ritter zu geberden. Das ärgerte nun 
wieder die Ritter, zumal wenn sie nicht mit Glücksgütern gesegnet waren, 
und sie machten sich über die prahlenden Bauern lustig. Besonders ver- 
danken Wir Nithart die köstlichsten Beschreibungen dieserBauernstutzer; 
wir dürfen aber nicht vergessen, dass Nitharts Spott herausgefordert 
worden ist, da der Dichter oft bei seinem Werben um die Gunst einer 
drallen Bauerndirne mit jenen unliebsame Auftritte gehabt hat. 
Die Bauern tragen nun bis auf die Schultern herabwallende 
Haare 1), die des Nachts gewickelt wurden, damit sie dann desto 
krauser und lockiger aussahen 2). Auf das Haupt setzen sie dann eine 
Haube, die mit Seide von kunstreicher Hand gestickt ist. Bald sind 
nur Vögelii), bald ganze umfangreiche Figurendarstellungen auf dieselbe 
genäht. An der Haube des Bauernsohnes Helmbrecht sind oben auf 
dem Scheitel Vögel, Papageien, Tauben u. s. w. gestickt; auf der 
rechten Seite, in der Gegend des Ohres, war die Belagerung von Troja 
und die Flucht des Aeneas dargestellt, auf der andren Seite die 
Schlacht Karls des Grossen und seiner Paladine Roland, Turpin und 
Olivier gegen die Heidenschaft, hinten im Nacken wie die Söhne der 
Helke und Dietrich von Bern in der Ravenna-Schlacht von Witig 
erschlagen werden. Auf dem vorderen Besatz sah man einen Reigen- 
tanz genäht; alles dies hatte eine entsprungene Nonne gestickt, die 
zum Lohne von Helmbrechts Schwester Götlint eine feiste Kuh er- 
hielt 4). An der Haube hingen Schnüre, an deren Enden Muskatnüsse, 
Pfeffer, Nelken, des Wohlgeruches wegen, eingeknüpft waren; wenn 
der Bziuernbursche tanzte, flogen ihm die Schnüre um den Kopf und 
konnten leicht die Tänzerin verletzen 5). 
1) Helmbr. 9: Eins gebüren sun truog ein här, Daz ist sicherlichen wär, Daz 
was reid" unde v0.1, Üf die ahsel hin ze tal Mit Ieng" ez volliklichen gie.  Nith. 
I, 11 (HMS. II, 100): Lang ist im sin har. 
2) Nith. XI, 10 (HMS. II, 107): Habt ir niht beschouwet sine reide Iökkel 
lange Die da hangent verre vür sin kinne hin ze tal? Des nahtes ligent si in der 
huben sere mit gedrange In der maze, alsam der kremer side sint si val; Von den 
snueren sint si reit; Inrethalp der huben Volleklich einr" elne breit, S0 sibeginnent 
struben; LXXII, 6 (ib. III, 236): Sin har daz ist geringelot, Des nahtes W01 gesnueret. 
3) Nith. IX, 9 (ib. II, 107): Der treit eine huben, Diu ist inrehalp gesnueret, 
Unt sint uzen an mit siden vogeP druf genat; D0 hat manik hendel sine vinger 
gerueret, E si si gezieret. 
4) Hehnbr. 14-414. 
5) Nith. LXXII, 7 (ib. III, 7): Sin huben nestel diu sint lank, Zwo muskat 
dran gebunden; Die haben's a1 ze witen swank, Da mite sleht er wunden Den 
schoenen meiden an dem tanz; XLII, 8 (ib. III, 257): Siner snuere strenge Ten- 
gelnt an den orten; Da hanget wunder pfeffers an, Muskat, negele.  Goeli III, 7 
(ib. II, 80): Daz DJELCIIBI? im diu hube mit den snueren. 
Schultz, höf. Leben. I. 16
        

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