Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997504
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Kleider der 
Bauern. 
Auch Friedrichl. verbot den Bauern Waden zu tragen, in der am 18. Sept. 
1156 erlassenen Constitutio de pace tenenda et de eius violatoribus 12 1). 
Wahrscheinlich geschah dies, damit die landesüblichen Schlägereien 
"nicht gleich in Mord und Todtschlag ausarteten. Die Bauerntracht 
blieb lange so einfach; noch Konrad von Würzburg erzählt uns, wie 
Paris, als er die Heerden seines Vaters auf dem Ida hütete, einen 
groben Rock angelegt hatte, dazu einen grauen Mantel, einen Filzhut, 
starke rindslederne Bundschuhe, und einen Kolben als Waffe in der 
Hand führte 2). Andre Bauern haben wieder Röcke aus Kalbfellen. 
Wie Ottokar erzählt, sollte der Herzog von Kärnthen bei Ent- 
gegennahme der Huldigung wie ein schlichter Bauer gekleidet sein: 
zwei Hosen von grauem Tuche, einen gleichen Rock und Mantel, 
einen grauen Hut und rothe Schuhe tragen 3). Aber schon in den 
ersten Decennien des dreizehnten Jahrhunderts "tritt auch in dieser 
Hinsicht ein gewaltiger Umschwung ein. Die Bauern wurden wohl- 
habend und begannen sich zu fühlen; sie verschmähten nun bald die 
schlichte Tracht der Väter und fingen an, sich reicher zu kleiden, 
orden Diz was gereit worden: Beide der huot und Ader stap, Als i1n der fürste 
lere gap, Zwene gebunden schuo, ein dicker roc, Ane tiuwer kost gezoc Sun- 
der nach rehter demuot siten, Wit, lanc, genwget und gesniten.  Ferguut 302: 
Van calfvellen hi ane droech Ene roe cort toten knie Ende twee hoselen ge- 
bonden ain't die.  Garin II, p. 153: Hiricies fu, s'0t charbonne le vis Ne fu laves 
de six mois aeomlalis, Ne n'i ot aive se du ciel ne chaji; Cotele ot couite, jusqu' 
aus genous li vint, Hueses tirees dont li talons en ist.  Chron. des Ducs de 
Norm. H, 29079: S'a une viez chape afublee, laide e esrece e tote usee; Desus, 
cum autre fol vilain Se ceinst d'une torche de fain.  De Boivin de Provins 
(Meon, fahl. III, 357): Vestuz se fu d'un burel gris, Gote, et sorcot, et chape en- 
samble, Qui tout fu d'un, si eom moi samble; Et si ot coiffe de borras, Ses sollers 
ne sont mie a las, Ainz sont de vache dur et fort. 
1) Si quis rusticus arma vel lanceam loortaveiit vel gladium, iudex in cujus 
potestate repertus fuerit, vel arma tollat, vel 20 solidos pro ipsis acciloiat a 
rustico. 
2) Troj. 1652: Sin roc der was gesniten Üz einem groben sacke, Und hiene 
an sinem nacke Ein grawer mantel niht ze guot. Von vilze truoc er einen huot 
Und zwene schuohe rinderin, Die wären zuo den beinen sin Mit riemen da ge- 
bunden. Ouoh truoc er bi der stunde Einen kolben in der hant. 
3) Ottokar OCI: Er sol sich laewegen An seine pain ze legen ZWO lwßen von 
graben tuch Und zWen rot puntschuech, Die man mit riemen swind Zu dem pain 
pind. Des selben tuch sol er ain rokch legen an, Der vor und hinden offen sey; 
Kollir sol er Wesen frey. Mit vir gern und niht mer Und daz an der leng ge luczel 
fur die knie. Ze hull so sol er tragen hie Ainen ainvechten mantel graben, Der 
sol nicht flentschirC?) haben. Im ist auch auf dem haubt Anders niht erlaubt 
Dann ain gupphater hut in ggraber gestalt, Daran vir Scheiben sind gemalt (Die- 
selben huete chlueg Newleieh man dacz Chernden trug).
        

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