Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997243
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Perrücken. 
Zöpfe. 
fallig, die Frisur ihrer Freunde selbst zu übernehmen 1). Nach den 
Monumenten zu urtheilen, hat man im dreizehnten Jahrhundert die 
Haare schon bedeutend verkürzt; sie reichen kaum bis an den Hals. 
Kahlköpfe trugen schon damals Perrücken 2). 
Eigenthümlich ist die Mode, dass auch Männer ihre Haare zu 
Zöpfen zusammeniiochten. Wenn Ulrich von Lichtenstein Zöpfe sich 
an der Haube befestigen lässt3), so beweist dies allerdings nichts, 
denn der hirnverbrannte Ritter unternimmt ja seine Abenteuerfahrt 
in Frauentracht verkleidet, aber wir haben eine Stelle im Ecken-Lied, 
welche jeden Zweifel beseitigt 4). Gegen Ende des zwölften Jahr- 
hunderts begegnet uns das erste Beispiel, dass diese Mode bild- 
lich dargestellt wird. Wir haben aus dieser Zeit die Statue Chlotars 1.. 
die am Portal von S. Germain des Pres zu Paris aufgestellt ist 
(Fig. 60). Ein Glasgemälde der Kirche St. Erhard in der Breitenau 
in Steiermark zeigt das Bildniss des Herzogs Albrecht IH. mit dem 
Zopfe von Oesterreich (1365-95), der eine Zopfgesellschaft stiftete; 
von der Stahlhaube hängt da ein metallener Zopfbehälter herab (ab- 
geb.: Anz. f. K. d. deutschen Vorzeit 1866, z. S. 177; Mitth. d. k. k. 
Commission XIII, p. LXXXIX). Zwei Glasgemälde der Kirche St. 
Maria am Wasen bei Leoben, aus dem Anfang des fünfzehnten Jahr- 
hunderts, stellen zwei Ritter Tumerstarfer dar, die beide die gleiche 
1) Chevalier as  espees 4804: Si a. puis mis une touaille As espaules et puis 
le pigne; 4810: Puis si a son grieve drecie  li met ou chief  capel.  Auch 
bei Heinrich von Melk (Erinn. 601) sieht die Gattin nach bei ihrem Manne: Wie 
sin schaitel si gerihtet, Wie sin här si geslihtet. 
2) Perc. 3972: E1 cief un capiel de bounet Dont 1a. chevelure estoit blonde; 
N'0t plus biel chevalier eI monde, Et si fu trecies d'une trece.  Die Prosaüber- 
Setzung von 1530 überträgt diese Verse: marchant nue teste, qui faisoit grande- 
ment apparoistre sa perruque tant blonde et belle.  Der kahle Ritter (Ztschr. 
f. deutsch. Altth. VII, 370) 24: In den ziten was ein ritter kal, Der war-p üz der ahte 
Umb ü-ouwen här swa er mahte Und furriert mit här ein hiutelin; Mit nadehi 
wart- daz genwt dar in. Dä mite zierte er sich sin zit.  Bei einem Buhurt ver- 
liert er die Perrücke. 
3) Frauend. p. 166, 17 z Zwen Zöpfe briui gröz unde lanc Ich fuorte, daz ir 
lenge swanc Vil Vaste über den gürtel min: Die muosten ouch mit perlin sin 
Bewunden meisterliche W01; 176, 25: Diu hübe min ouch muoste sin Vil guot, 
dar an die zöpfe min Gemachet däswär wären W01. 
4) Ecken liet 166, 2: Väsolt, sin zöphe wän sö lanc, Daz si dem orse giengen 
Ze beiden siten hin ze tal. Ez was gar silberwizer steil, Dä si dä. inne 
hiengen Und wein zwen wakhart  harte klar.  Der kahle Ritter 17: Hie 
vor dö zierten die man ir lip Mit zöpfen sam nu diu wip; Solhes sites nu nie- 
men gert.
        

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