Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997090
Schleppen. 
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Stellung zu erwecken, sich jeder weiteren Beschreibung enthalten. Der 
Mangel an zuverlässigen Abbildungen, auf den ich später zurückkomme, 
macht es noch schwieriger, die Andeutungen der Schriftsteller uns 
klar zu machen. Ich glaube, dass es nie gelingen wird, in diesemPunkte 
zu einer befriedigenden Gewissheit zu gelangen, wie ich es auch für 
unmöglich halte, dass man nach Jahrhunderten feststellen kann, welche 
bestimmten Formen den Bezeichnungen unserer Damenmoden ent- 
sprachen, vorausgesetzt, dass nicht unsere Collegen in sechshundert 
Jahren den ganzen Schatz der jetzt erscheinenden Modezeitungeil zur 
Verfügung haben. 
Ueber die Kleider endlich wurde noch der Swanz angelegt, ein 
langnachschlepläendes Gewand, das besonders zum Tanze getragen, 
sauber gefaltet, gestickt und gegürtet wurde 1). Ueber diese Schleppen 
haben die Zeitgenossen besonders viel gescheiten. Schon Gaufredus 
Vosiensis (Bouquet, Rec. XII, 450) klagt um 1180: „die Frauen schreiten 
mit ihren langen Kleidern einher gleich den Schlangen, wie Merlin 
sagt", und Etienne de Bourbon (Anecd. hist. N. 282) donnert gegen 
sie: „Die Damen ziehen ihre Schleppen (caudae) mehr als eine Elle 
hinter sich her und sündigen damit ganz wunderbar, weil sie mit 
schwerem Gelde sie erkaufen, Christus in den Armen berauben, 
Flöhe sammeln, die Erde bedecken, in der Kirche die Andächtigen 
im Gebete stören, den Staub aufwühlen und aufwirbeln, die Kirchen 
(dadurch) verdüstern, die Altäre gleichsam beräuchern, die heiligen 
Stellen, mit Staub beschmutzen und entweihen, und auf eben diesen 
Schleppen den Teufel tragen und fahren. Meister Jacobus sagt, ein 
gewisser Heiliger habe den Teufel. lachen gesehen, und als er ihn ge- 
fragt, warum er lache, habe erigeantwortet, dass eine Dame, wie sie 
zur Kirche ging, auf ihrer Schleppe einen seiner Genossen fuhr, und 
als sie, um eine schmutzige Stelle zu überschreiten, das Kleid aufhob, 
 
1) Virginal 57 8, 1: Sö heizen wir diu megetin Legen an ir swenzelin, Durchrigen 
W01 mit golde. Diu ziehens über diu zendel kleit (S6 sint si schöne genuoc bereit, 
Ein keisers sehen solde); Dar üf ir kleinen gurtel sinal; 135, 10: Zuck eben mir 
min swenzel, Daz ez obe der erden swebe Und der soum von touwe naz Den 
bluomen kleinen vride gebe; 109], 4: dö häten an ir swenzelin Diu Wunneclichen 
megetin.  von Stemheim 7 (MSH. II, 77): Dinen swanz lege an dich; 9: Mit 
vIize wart daz kint bereit In sinen swanz gevalden; Dar ümbe ein borte W01 ge- 
slagen unde sinal.  Goeli II, 2 (MSH. II, 79); Rispet unde rifelt iuwer swenze. 
 Nith. X, 3 (MSI-I. III, 193): Wunneclichen swanz; XII, 3 (MSH. III, 196): Wie 
si tanzen Und ouch swanzen Mit ir glanzen Swibelswanz.  M. Johans Hadloup 
XXI, 1 (MSH. II, 290): Ir sult iuwer swenzel krispen.
        

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