Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997014
Lange Prunkärmel. 
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geheftet wurden 1). Die später noch (Cap. 7) zu besprechenden, weit 
herabhängenden Aermel, mit denen man einen grossen Luxus trieb, und 
welche die Damen ihren Verehrern zum Geschenke machten, gehörten 
Wahrscheinlich nicht zum Oberkleide, sondern Waren zum Hemd zu 
rechnen. Dadurch gewann das Liebespfand augenscheinlich in den 
Augen der galanten Herren. Der Armel brauchte übrigens nicht von 
demselben Stoffe wie das Hemd zu sein: er konnte aus farbigem kost- 
baren Brokatgewebe gefertigt werden 2). Die Mode der langen Aermel 
war schon im 11. Jahrhundert aufgekommen; Ordericus Vitalis klagt 
bereits (lib. Vlll, cap. 10) über diesen verwerflichen Luxus; aber am 
Ende des zwölften Jahrhunderts bedauert der Dichter des Partonopeus 
de Blois, dass diese schöne Tracht mehr und mehr abkommt 3). Doch 
war noch bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts der lange 
Prunkärmel im Gebrauch. Man bediente sich seiner als Tuch, schlang 
ihn um Haupt und Hals 4); auch den Schweiss wischte man sich mit 
dem Aermel 5), trug in ihm allerlei G);  bei dem gerichtlichen Zwei- 
kampf zwischen Mann und Frau hat die letztere als Waffe einen 
Stein, der in einen solchen langen Aermel eingebunden war 7). 
1) Rom. de 1a Rose 21987: D'une aguille bien aßlee Ele zu, per miex estre 
vestues, Ses deus manches estroit cosues.  Dunnars 657: D'un blanc diaspre 
ert acesmee Si ot une 111211100 afiiehlee.  Dolopathos p. 101: Par grant desduit 
et par solaz Ot chascune mainehes ä laz.  Herb. Troj. 620: Ermel gestrichen 
Mit der siden 21.118 genat.  Itein multa parvzt vota consuevit iäueere pro Deo velut 
de manicis non consuendis ante missam diebus festivis et non utendis cyrotecis die 
dominieo zmte meridiem (De dictis IV ancillarum S. Elisabethae, Testim. Juttae). 
2) Perc. 6828: Et il fist -j- vennel samit D'u11 sien cofre maintenztnt tmire; 
Si en a, fait baillier et faire Une manee inoult longe et lee. 
3) Parton. 8003: I1 pert bien im 101 vesteure Que eles n'ont mziis dümmer eure; 
N'use11t mais hlans cainses rides Ne hie de soie 511er costes. Ne ces longes mances 
ridees Nierent mais ü. tornois portees; Ces beaus bliaus, ces dms de soie, Ces 
grans treees, jetent en voie: Tot ce tienent in. vanite Et ü, graut superüuite; N'en 
vuellent estre nlescreus: P111- les oreilles sont tondues. Or ussent unes sorchanies 
Amples desoz, par pans fornies Et vestent ces les soupe1is Et envoiscnt trop ä. euviä. 
4) Durmars 1900: Mais de 1a pucelle vos di Qu'e1e n'0t pas guimple afiieblee 
Mais - manche bien ridee D'un blanc chziinsi novel estoit, S011 vis et son col li 
gardoit.  Chev. as -ij- espees 8950: Et et inise Une mance blance a. devise De- 
sQug S011 cief,  Dolopathos p. 103: Seur son chief portoit une manche Per 1a chalor. 
5) Ortnit 467: Dö erbat er si des kume, daz si im den helm ap bant; Si 
wischte in mit 11' stüchen und mit ir wizen hant. 
6) Kudr. 1385: Ich und mine meide tragen iu die steine in wizen stüehen.  
Wolfdietr, A, 200; Dö suochts in ir stüchen, dö si den brief vant. 
7) Apollonius 20446; Diu frowe so] hie ouzen gän, Einen stein in der steu- 
chen 115m Mit yiemen (h-in gepunden Swaere pi drien pfunden, Diu stouehe S01 
Wesen 1111111 Und zweier ellen 18m0 Sili-
        

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