Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-997009
190 
Hemden. 
mit Krausen besetzt1). Die Halsölffnung wurde durch eine Agralfe 
geschlossen 2), damit nicht ein Mann so leicht der Dame in den Busen 
greifen konnte 3). (Vgl. das Grabmal der lsabella von Angonleme, der 
Gemahlin Johanns ohne Land, in der Abtei Fontevrarllt; Jacqnemin, 
Hist. Gen. du Costunie.) Uebrigens liebten zumal in der zweiten Hälfte 
des dreizehnten Jahrhunderts die Damen gar nicht ihre Reize zu ver- 
bergen 4); die Hemden waren also auch tief ausgeschnitten. Moralisten 
nahmen natürlich an dieser Entblössung Anstoss, wie sie auch die 
engen, die Körperformen scharf hervorhebenden Kleider verwerfen  
Zu den Hemden gehörten Aerinel 6), Welche aber nicht mit dem 
Haupttheil aus einem Stück geschnitten oder daran angenäht Waren, 
sondern die jedesnial erst erforderlichen Falles angeschnürt oder an- 
1) UvdTürl. Willi. d. H. p. 124: Dnz hemde man clo (Druck: du) hervore trug; 
Mit golde geneit also wol, Busen ermelen perlen vol; 137: Di vzulden ich nicht 
geprouben kan, Di waren so lustig und reine.   Mann hete beslozzeil dnz selbe 
cleit In einer hant, also man seit, Und warn doch vierzik ellen wol. Des hemdes 
nat mit golde vol Warn nach engelischme site. Di mit ouch heten undersnite 
Von richen perlen und gesteine Und doch nicht, du di reine Solde sitzen oder 
ligen, Da. was di nat slecht gerigen An gesteine daz iz di minne nicht niout. 
Oberheinde und ermeln alliz blout Van richem gesteine und golde. 
2) Parz. 131, 17: An ir hemde ein fürspwn er dir sach.  Engelh. 3050: Von 
rubbine ein adelar, Kleine und wol gefüege doch, Zein ander spien dm houbet- 
Joch An der vil lichten wzete. 
3) (Jhastiement des Darmes 94: Suchiez qui 1ni1nes controuva Afiehe, que per 
ce le iist, Que nus hom Sau main n'i inist E11 Stbill de fiune oü il n'a droit, Qui 
espousee ne li soit. 
4) Rein. de 1a Rose 14254: S'ele a bizhll eol et gorge blanche, Gart que cil 
qui sn robe trenche, Si tres-bien 1a li escolete, Que saß clmr pere blanche et nete 
Demi-pie darriers et devmit: Si en sem plus cleeevant.  Troj. 20220: Ir stuont 
diu kel enblecket, Wen ir des rockes honbetloch S0 miehel was gesehepfet doch, 
Daz sich ir hüt dä. niht verhal. Ez was gesehröten hin ze m1 Und üz gelenket 
alsö vil, Daz minneelicher VzLTWG spil Den engen böt ir luter vel, Dä, sich diu 
brüstel und die kel Z'ein ander welbent etc. 
5) Reinfried 15217: Dez muoz mich nemen wunder gröz, Dez si m0 danne 
halber blöz Gänt 0b des gürtels lenge. Ir kleit sint alsö enge Daiz ez mich lasters 
vil ennant, W211! in dem roeke spannt Der lip mit lasterliehei- lohliht.  Selbst 
der leichtfertige Nithart sagt (XI,  HMS. H, 109): Ich gebiut" den jungen 
wiben über a1, Die an der maze wellent sin, Daz si hoch genmoten nnmnen hol- 
dez herze tragen. Ziehen vorn an hoch und hinden hin ze tzil, Dekken W01 daz 
nekkelin. 
6) Frauendienst p. 160, 27: Und drizic vrowen ermel guot An kleiniu hemd; 
176, 7: Ich legt an ein hemde Mime, Klein ze rehter mäze lanc, D21, muosten an 
zwön ermel sin.  Pere. 6364: La menre Qui si coixltelnent se vestoit De mances, 
qwapeläe estoit La. puciäle aus lnances petites.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.