Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996994
Hemden. 
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Redseliger werden sie, sobald sie vom Hemd reden. Das Hemd 
war, wie bereits bemerkt, ein Kleidungsstück, das wie alle anderen nur 
bei Tage angelegt wurde 1). Es ist von weisser Farbe 2) und besteht 
aus einem feinen Stofe; gewöhnlich mag man leinene 3) oder, falls die 
zu theuer waren, hanfene4) oder wollene Hemden getragen haben: die 
vornehmen Damen konnten sich allein den Luxus seidener Hemden 
erlauben 5), und auch diese werden so theure Kleidungsstücke nur an 
Fest- und Feiertagen angelegt haben. Das Hemd wurde dicht an den 
Körper geschnürt") und war deshalb an einer Seite Wohl offen und 
mit Schnürlöchern versehen; nach unten fällt es in reichen Falten bis 
auf die Füsse 7). Da es am Halse sichtbar war, der Rock so weit aus- 
geschnitten wurde, dass auch das Hemd zur Geltung kam, so wurde es 
mit feinen Nähten, mit Gold- und Perlenstickereien verzierts). Diese 
Mode wird als englische bezeichnet. Sonst war es fein gefältelt und 
1) Herb. Troj. 616: Sie tet an ein heinde kleine, Daz was wol gezieret, Ge- 
lesen und geriddiret, Gebleichet und geblieben, Ermel gestrichen Mit der siden 
ane genat.  Erec 393: Et sa fille, qui fust vestne, D'un0 cheniise par pans lee, 
Delie blanche et ridee. 
2) En. p. 146, 40: Ir hemede dar. was eleine Und wiz alsani ein swane.  
Rom. de la Charrette 4579: En une inolt blanehe (fllßllllSe N'0t sus bliaus ne 
cote mise. 
3) Eracl. 1813: Die besten wize linwat, Mit gespunnen golde übernab, Diu in 
allem lande mohte Wesen, Zeslagen nncle wol gelesen, Die bristens alle um den 
lip, Ez wzere niaget (uler wip. D6 wart benmt, nianie arm. 
4) Martina 15, 71: An ir hut ein helnede Clemachit harte freinede. Wan ez 
Wart nie gespunnen. Noch gebleichit an der snnnen, Noch uz gelweni flahze, Ge- 
verwet nach dem wahze; Ez was 00h niht von hanfe Gebluwen in dem stzmnfe; 
Ez was och ane zotten (äezeltet noch gebrochen. 
5) Lanz. 872: lr hemde daz was sidin.  Wigal. p. 268, 27: Ein hemde wiz 
als ein swan 'I'ru0c diu gespil der Salden an, Daz was von siilen cleine.  Me- 
leranz 643: Ein heinde wiz sidin.  Stricker, Daniel: Wize sidixi hemcle 'l'ru0- 
gens alle gemeine (Bartsch, Einl. z. Striekers Karl p. XXVI).  UvdTürl. Willi. 
d. H. p. 121: Kleiner hemde Wiz sidin.  Nib. Z. p. 95, 7: In sabenwizein heinede 
si an ein bette gie. 
6) En. p. 59, 28: Ir hemede daz was cleine, Wiz unde wol genat, Dar an 
Was inanich goltclrät. Ez was gedwenget an ir lib.  Eracl. 3518: Hebe nahest 
an ir lip Ein hemecle wol gebriset (Diu Minne heh sies gewiset), Wiz unde kleine. 
 Engelh. 3042: Mit golde zuo den siten Gebriset was ir lip dar in.  Parton. 
8622: Gebriset uncli gereinet Ir ennel und ir houbetloch Beide wären unnäcll 
noch.  Dolopathos p. 134: Trop fu apertement vestue D'une chemise estroit cou- 
sue; En braz et par les pans fu lee, Deliee, blanehe et ridäe.  
7) Engelh. 3062 1T.  Frauendienst p. 166, 25: Ich fuort ein hemde, daz was 
plane, Ze mäzen als claz röckel l-eunc; Dar an zwen vrowen erinel gnot. 
8) Engelh. 3055: Von maneger guoten neete Sach man dar an ein wunder 
ligen, Zwischen dem ITlUOClCT und der rigen Von golcle stuont ein liste breit.
        

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